Blog Archives

posted by on Das vierte Jahr, Von Geburt an

Es ist Mai und auf wundersamer Weise hat es uns mal wieder zum Geburtstag Deiner Mutter nach Tarifa verschlagen. Das ist für Dich mittlerweile wenig überraschend, da Du glücklicherweise die erweiterte Reisefreudigkeit Deiner Eltern teilst – oder Dich einfach daran gewöhnt hast. So erinnerst Du Dich sogar an den netten älteren Herrn, der uns den Schlüssel des angemieteten Hauses übergibt – selbstverständlich nicht ohne Dich mit Schokolade zu versorgen und kommentierst das Aufschließen unseres Domizils mit den Worten: “Papi, hier waren wir schon mal – warum fahren wir nicht mal woanders hin. Das ist mir zu langweilig.” Hohe Worte, aber mindestens einmal Tarifa im Jahr ist nunmal gesetzt, da geht nix. Während wir das Planschbecken aufbauen und mit Wasser füllen ist aber Deine kindliche Welt wieder gerade gerückt: “Siehst du Papi, jetzt sind wir woanders, das Planschbecken ist viel größer als vorher.” Logisch, oder?

Ansonsten gebe ich zu ist wirklich nahezu alles wie immer. Der eigentliche Sinn unseres Ausfluges ist es kiten zu gehen. Vor allem Deine Mutter frönt dieser Wind- und Wellenakrobatik mit großer Leidenschaft, während wir beide uns in diversen Beachclubs derweil die Zeit vertreiben. Das ganze war mal als Ausgleich zu der Tatsache gedacht, daß ich in den Wintermonaten so viele Pistenkilometer wie möglich absolvieren möchte, was Deine Mutter und Dich (zumindest vor Deiner Skischulzeit) zwangsweise auf Schneespielplätzen und bewirtschaftete Hütten bindet. Aber in diesem Jahr ist eben nur fast alles wie immer. Kiten und Deine Mutter gehen dieses Jahr nicht zusammen – warum ist Dir aber herzlich egal, denn nun hast Du ja Papa und Mama gemeinsam am Strand, was Dir unübersehbar gut gefällt.

Irgendwann während dieses Urlaubs überlegen wir, Dir zu erklären, warum Deine Mutter permanent wehmütig gen Brandung blickt. Also genau genommen erklärst Du Dir das eigentlich selbst und das geht so:

An einem Tag lernst Du Joshua kennen, einen dreijährigen Hamburger mit viel zu großer Baseball-Käppi die er aber niemals absetzten will, außer Du möchtest sie haben was sowohl seine Eltern wie uns entzückt. Nachdem die rotierende Kopfbedeckungsfrage geklärt ist, seit ihr beide nicht mehr auseinander zu bekommen und Joshuas Vater und ich wechseln uns ab, wer hinter euch her rennt, wenn Ihr mal wieder vergessen habt, daß Wellen auch gerne schonmal die doppelte Körpergröße von Euch annehmen können. Nach Ausheben einer kleinen Lagune am Strand beruhigt sich das ganze und ihr spielt einträchtig im Sand.

Valdevaqueros Beach, Tarifa, Mai 2015

Valdevaqueros Beach, Tarifa, Mai 2015

Am zweiten Tag – gleiche Location – fällt Dir auf, das Josuas Mama einen etwas ausgeprägteren Bauch hat (noch nicht so richtig rund, aber schon erkennbar), was Dich wiederum zu einem Vergleich mit mir verleitet. “Papi, guck mal die Mama von Joshua muss auch immer alles aufessen, deshalb ist sie genauso dick wie Du.” Ja, Kinder sind nicht selten rücksichtslos direkt. Da es mir unhöflich erscheint die Dame mit ihrem angedichteten Übergewicht alleine zu lassen erkläre ich Dir, daß dort im Bauch wahrscheinlich ein Baby heranwächst und Joshua bald ein Geschwisterchen bekommt. Du bist überhaupt nicht verwundert, sondern erklärst nun wiederum mir, daß die Babys aus den dicken Bäuchen der Mamas herausfallen. Und daß das genau wie bei Deiner Kindergartenfreundin Mathilda sei. Deren Mama war auch ganz dick und jetzt hat Mathilda einen kleinen Bruder. So einfach sei das, daß müsse ich doch wissen – ich sei ja schon so groß. Wahrscheinlich schaust Du zu dieser Zeit in ein recht verdutztes väterliches Gesicht, setzt aber unmittelbar noch einen drauf: “Papi, wann bekomme ich endlich ein Brüderchen?” Ich frage nach ob Du denn sicher bist ein Geschwisterchen haben zu wollen? Absolutes Unverständnis ob meiner Frage auf Deiner Seite. “Das habe ich doch gesagt, Papi. Weißt Du das denn nicht?” Dabei werden die Augen verdreht und Dein Gesichtsausdruck nimmt genervte Züge an. Nun setzt Du Dich hin, verschränkst die Arme vor der Brust und wiederholst explizit wie das nun mit der Familienerweiterung zu funktionieren hat.

Schlusssatz Deiner kurzen, aber prägnanten Anforderungen sind ein aufforderndes “Weist Du jetzt wie das geht, oder fragen wir die Mama?” Die kommt just in diesem Moment mit dem Hinweis, ich könne an der Theke unser Mittagessen abholen, um die Ecke. Kurzes Update zum Geschwisterwunsch in Ihre Richtung und während des Essens halten wir den Zeitpunkt für gekommen, Dir zu erklären das es zwar noch einige Monate dauert, aber kurz vor Weihnachten dann soweit sei: Du bekommst ein Geschwisterchen. Ob das nun der geeignete Moment ist weiß ich nicht, aber irgendwie soll es eben jetzt so sein. “Dann bin ich auch eine große Schwester, wie Mathilda” ist Deine erste Reaktion, gefolgt von “aber ich möchte nur einen Bruder – mir dem kann man nämlich besser spielen”. Das wir das zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen, kommentierst Du wenig aufgeregt mit einen jovialen “Na gut, dann eben auch eine Schwester.” Damit ist das Thema vom Tisch und Joshua steht auch schon wieder auf der Matte um Dich zur nächsten Strandrunde abzuholen.

Von nun an sortierst Du bis zum heutigen Tag immer wieder einige Spielsachen und Klamotten aus und drückst Sie mir mit den Worten “Das ist für Baby.” in die Hand.

Ach ja: wickeln und im Kinderwagen umherfahren beabsichtigst Du in Zukunft übrigens ausschließlich ganz alleine mit Baby zu erledigen – da läßt Du keinen Zweifel dran. Aber so ist das wahrscheinlich, wenn man eine große Schwester ist bzw. wird.


Tarifa Crossing Colors
Logmar Beta Test – Mai 2015 – Tarifa – Crossprocessing
Leider überbelichtet – Filme nicht korrekt geladen
Musik – La fée – ZAZ

Geschrieben in Düsseldorf, North Rhine-Westphalia, Germany.

posted by on Das vierte Jahr, Von Geburt an

Zu Ostern im April wollen wir Deinen, weihnachtlich erworbenen, Skifähigkeiten neuen Raum geben. Also, genau genommen wollen nur wir beide das, denn die Begeisterung Deiner Mutter für dieses Projekt bewegt sich in sehr verhaltenen Grenzen. Oder besser gesagt es hat sich bei Null eingependelt. Zu diesem Zwecke erfragt sie alle paar Tage wieder mal wie es familiär um die aktuelle Stimmungslage für Ausflugsfahrten in Richtung Mittelmeer bestellt ist. Reaktion immer gleich: Wir wollen in den Schnee. Da bei Deiner Mutter Kompromissfähigkeit und Renitenz eine besonders persönliche Note erhalten – das eine ist rudimentär und das andere in voller Freudesfülle ausgeprägt – stelle ich mir allmählich die Frage wie sie gedenkt uns von Berg und Brettern fern zu halten. Ich bin gespannt.

Kurioserweise passiert zunächst einmal gar nichts, was mich wiederum massiv irritiert. Viel mehr Sorgen bereiten mir da allerdings die Wettermeldungen des gesamten Alpenraums in den Wochen vor unserem geplanten Ostertrip. Es ist schlicht zu warm, es schneit nicht und selbst in Gletscherskigebieten gelten die Pisten nur noch als mäßig befahrbar. Aber da kann dann wohl Deine Mutter ausnahmsweise mal nichts dazu. Rund eine Woche vor unserer Abfahrt kommst Du irgendwann zu mir anspaziert, setzt den “Kulleraugen-Papi-Darf-Ich-das-haben”-Blick auf und erklärst mir das Du nicht in den Schnee möchtest, Du ja bereits Skifahren kannst und es am Meer sowieso viel schöner ist. Zur Untermauerung Deiner neuerlichen mediterranen Reiseabsichten schleppst Du die prominentesten Vertreter Deiner Kuscheltierfraktion heran und mir wird in hinreißender Art von Schafen, Bären und dem Zebra erklärt das anstehenden Reisewege gerne über, aber nicht in die Alpen zu führen haben. Noch bevor ich etwas entgegen kann schiebst Du eine weitere Argumentationshilfe herein. Nun erklärt mir auch noch ein Elefant wo er hinmöchte. Wie wir alle wissen kommt man zwar mit karthagischen Heeren und Elefanten über die Alpen, den afrikanischen Dickhäutern bekommt das aber nicht so gut und ich lausche interessiert Euren Ausführungen. Gegen Ende der Argumentationskette aus dem Tierreich verschwindest Du schlagartig um kurze Zeit später mit einer ordentlichen Ansammlung Sommerkleider aus Deinem Kleiderschrank wieder aufzutauchen.

Was nun passiert dürfte klar sein: jedes Kleid wird anprobiert, mit der Sicherheitsabfrage “Sehe ich schick aus, Papi?” komplettiert und nach insgesamt vielleicht einer knappen halben Stunde befinden wir uns in einer Mischung aus Modenschau und Stofftierpark. Ich will es nicht beschwören, kann mir aber vorstellen, das Du Zeit und Ort bewusst gewählt hast. Unsere kleine Theatervorstellung findet nämlich im Badezimmer statt während ich unter Schaum in der Wanne liege und somit eingeschränkt erzieherisch tätig werden kann. Aber wahrscheinlich ist das doch reiner Zufall und Deine Mutter hat damit gewiss überhaupt nichts zu tun. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich keine Absichtserklärungen in diese Richtung postulieren – das liegt mir fern.

Ein letzter Blick auf den Wetterbericht und ich storniere unseren Skitrip. Nachdem Du Dir die Zusage eines Ausflugs ans Meer abgeholt hast, ist das Schauspiel schlagartig unterbrochen und Du sortierst in Deinem Zimmer die Spielsachen nach Reisetauglichkeit. Zum letzten Akt erscheint Deine Mutter auf der Badezimmerbühne und sammelt genussvoll grinsend freiwillig Deinen Tierpark nebst Garderobe wieder ein. Mit den Worten “Suchst Du uns dann was schönes – ich mache ihr jetzt das Abendessen!” schließt sich die Tür. Aus dem Flur vernehme ich noch ein “Da hat sie ja auch viel mehr von.”

Gefunden habe ich dann Genua, da mir das größte europäische Meerwasseraquarium und ein daneben vor Anker liegendes Piratenschiff ein durchaus lohnenswertes Reiseziel verheißen. Auf dem Hinweg sammeln wir Deine, berufsbedingt in Luzern weilende, Mutter ein und verbringen zugegeben traumhafte Ostertage an der ligurischen Küste. Den Gegebenheiten von Jahreszeit und Altstadtnähe geschuldet bleibt unser Campingbus zu Hause und wir wohnen im Hotel.

Irgendwo etwas außerhalb vom Stadtzentrum soll es einen Park geben, in dem sich Eichhörnchen aus der Hand füttern lassen. Mit dieser Information unseres Concierge ausstaffiert kaufe ich auf dem Markt eine große Tüte Erdnüsse und trage diese auch artig durch besagte Anlage. Allerdings beschränkt sich unsere Eichhörnchenaktivität leider ausschließlich auf das Herumtragen dieses Futtermittel, da wir nicht ein einziges der putzigen Nagetiere vorfinden. Du bist weniger enttäuscht als vermutet und kommentierst das ganze nur lapidar: “Dann suchen wir die Eichhörnchen eben ein anderes Mal” und entschwindest Richtung Spielplatz. 

Des weiteren muß ich gestehen wir hätten wohl in Tirol schwerlich eine weitere neue Lieblingsspeise von Dir entdeckt: direkt vor dem Nicht-Eichhörnchen-Park liegt unmittelbar am Meer ein zwar unscheinbares aber einladendes Restaurant: Von meinem Oktopus habe ich gleich eine weitere Portion bestellt da der gewöhnliche Krake Deine volle Zustimmung findet. 

Wir entdecken Oktopus. Genua, Ostern 2015

Wir entdecken Oktopus. Genua, Ostern 2015


Und jetzt mal ganz unter uns: Wer wollte nochmal unbedingt Skifahren?
Frohe Ostern, Prinzessin.  

Geschrieben in Düsseldorf, North Rhine-Westphalia, Germany.

posted by on Das vierte Jahr, Von Geburt an

Sarah Sophie ist selbstverständlich in das Logmar-Kamera-Beta-Test-Projekt involviert. Eine bunte Gruppe von weltweit rund 30 Filmverrückten testet und entwickelt die ultimative Super 8 – Kamera zur Serienreife. Wenig überraschend bin ich Teil dieser Truppe. Der Start war etwas holprig aber mittlerweile sieht es ganz ordenlich aus. Hier kommt das erste Test-Footage.


Tarifa Crossing Colors
Logmar Beta Test – Mai 2015 – Tarifa – Crossprocessing
Leider überbelichtet – Filme nicht korrekt geladen
Musik – La fée – ZAZ


Like ice in the sunshine
Logmar Beta Test – Juni 2015 – Niederrhein
Musik – Like ice in the shunshine – Baleare

Geschrieben in Düsseldorf, North Rhine-Westphalia, Germany.

posted by on Das vierte Jahr, Von Geburt an

Wer sagt eigentlich, daß man in Düsseldorf seine Erdbeeren nicht selbst pflücken kann? In der Nähe des Unterbacher Sees lassen sich Erdbeeren, Himbeeren und Stachelbeeren flink und fleissig ins eigene Körbchen legen.

erdbeere

Geschrieben in Düsseldorf, North Rhine-Westphalia, Germany.

posted by on Das vierte Jahr, Von Geburt an

Karneval fällt in diesem Jahr zwar in den Februar, aber für Dich irgendwie auch in Deinen 44. Lebensmonat, also in den März. Deiner Mutter kommt ein Auftrag im karnevalsbefreiten Preußen dazwischen und sie fliegt am bereits abends am Karnevalssonntag nach Berlin. Allerdings nur bis Aschermittwoch und von dort an nutzen wir den diesjährigen glücklichen Umstand, daß der Karneval in Nizza rund eine Woche länger dauert als sein rheinisches Gegenstück – will heißen wir starten am Aschermittwoch in Richtung Côte d’ Azur. Bis dorthin bleibt Dir aber selbstverständlich der Düsseldorfer Karneval nicht verborgen. An irgendeinem Tag stürzt sich deine Mutter mit Dir selbstlos ins Getümmel der üblichen Verkaufsstellen um Dich in standesgemäßen Ornat zu stecken, wenn Du am Freitag zum Kinderkarneval im Wald erscheinst und Sonntags zum Veedelszoch in Gerresheim, der wie finde schönsten Version für Deine Altersklasse.

Nachdem Du das gesamte Tierreich hindurch überlegt hast, bist Du schließlich zur festen Überzeugung gelangt als Drache die fünfte Jahreszeit zu bestehen. Mit auf den Weg gegeben, habe ich deiner Mutter noch den Hinweis, das doch eine Familie in gleichen Kostümen vielleicht eine nette Idee ist. Unkommentiert verlasst Ihr beide das Haus. Aus der freundlichen, gemütlichen Drachenfamilie wurden allerdings drei Cowboy- oder besser gesagt zwei Cowgirlkostüme (gibt das überhaupt?) und eben eine Old Shatterhand-Verschnitt für mich. Ich frage Deine Mutter warum den nicht Indianermädchen, das sei doch auch putzig und politisch irgendwie korrekter. Verständnis weit gefehlt: “Och, Opfer waren wir doch lange genug – jetzt wollen wir mal Täter sein!” Mit der Antwort ist das politisch-geschichtliche interfamiliäre Gleichgewicht wieder hergestellt. Zumindest für Deine Mutter – dies nur als Randnotiz.

Am Freitag geht es also in Wild-West-Montur in den Wald und nachdem Du dort allen Drachen, Löwen und Tigern erzählt hast, eigentlich auch ein Tier werden zu wollen Du aber jetzt etwas bist was es gar nicht gibt ist der Tag gerettet. Ich habe jedenfalls keine Klagen gehört, als ich Dich abhole. Sonntags zieht unsere Karl-May-Familie nach Gerresheim und ich werde Zeuge wie Du einmal wieder wildfremde Menschen für Deine Zwecke einspannst. Während des Zuges stehen wir neben eine Gruppe vielleicht 16 – 18-jährigem Partyvolkes und Du brauchst Dich nur zweimal lautstark zu beschweren, daß bei Dir viel zu wenig geworfene Süßigkeiten ankommen und ab sofort fühlt sich der deutlich als solcher gekennzeichnete König der Truppe dazu berufen seine Entourage anzuweisen, jedwedes Wurfmaterial uneingeschränkt bei Dir abzuliefern. Kind glücklich, Tasche nach einer halben Stunde voll.

Das war es dann soweit für den rheinischen Frohsinn und wir fahren Aschermittwoch nach Südfrankreich. Wie ausgewechselt erklärst Du mir hier aber nun unmöglich erneut Deine Westernmontur anlegen zu können und zwar in einer Art und Weise, die mich an Deine Mutter erinnert für die es eine selbstverständliche Unmöglichkeit darstellt an zwei Tagen im selben Outfit irgendwo zu erscheinen. Stimmungslage: “Ich habe nichts anzuziehen!” Wir befinden uns folglich mitten in einem Drama. Zu allem Überfluss kommen uns in der Stadt ständig Prinzessinnen, Kängurus, Elefanten und – offensichtlich sehr beliebt in der französischen Kleine-Mädchen-Fraktion – verkleidete Ponys entgegen. Von Winnetou und Old Shatterhand ist aber weit und breit nichts zu sehen. Klarer Fall von elterlichem Missmanagement – gegensteuern ist also angesagt. Die Rettung finden wir in Form eines hübschen kleinen Geschäftes mitten in der Altstadt, welches freundlicherweise Bienenkostüme offeriert und die Welt scheint weit weniger misslungen, wenn man als Biene Maja umherlaufen darf. Alle glücklich – Urlaub gelungen.

Nizza 2015

So entsprechend ausstaffiert begeben wir uns also zum Blumenumzug welcher sich über die gesamte Strandpromenade erstreckt und Millionen von Blumen in die Mengen geworfen werden. Nachdem wir Dir das erzählt haben sprichst Du von nichts anderem mehr. Es gibt nur noch Blumen, Blumen und nochmals Blumen. Aber als Biene macht das ja auch durchaus Sinn. “Wann kommen die Blumen, Papa?” wiederholst Du gebetsmühlenartig immer und immer wieder. Ich richte mich mental auf ganze Wagenladungen ein, die ich nach Hause tragen darf. Doch dann: nichts von alledem. Der Umzug geht los und vorneweg schießt eine übergroße Kanone hunderte Meter von Papierschlangen in die Menge in die Du Dich vollständig einwickelst. Wer braucht da den noch Blumen. Die Papierkanonenautos gibt es glücklicherweise mehrfach und Du kannst es gar nicht erwarten bist die nächste Papierladung auf Dich niederprasselt. Völlig verblüffst Du mich allerdings mit der Aussage, daß die Blumen doch lieber im Wald wachsen sollen, weil hier auf der Straße kann man sie ja gar nicht so gut gießen. “Und das ist ja nicht gut für die Blümchen, Papa. Weißt Du die lassen wir lieber alle hier.”

Nach Hause getragen haben ich dann eben einige Kilometer Papierschlangen – die durften wir nämlich nicht liegen lassen – sonst können die Leute die Blumen ja nicht richtig gießen.

Sagst zumindest Du – Logisch, oder?

Geschrieben in Wangerland, Lower Saxony, Germany.

posted by on Das vierte Jahr, Von Geburt an

In diesen Tagen kam irgendwann einmal nicht die Frage auf “ob” sondern nur “wann” Du denn zum Ballettunterricht gehen wirst. Und wenn sich sowohl Mutter, als auch Großmutter ausnahmsweise einmal einig sind, dann ist Widerstand gegen dieses Bollwerk in etwa so sinnvoll wie den Kalten Krieg zu Lagerfeuerromantik verklären zu wollen. Erstens wenig aussichtsreich und zweitens sowohl genauso unnötig wie widersinnig.

Manchmal erstaunt mich meine naive Art in Hinblick auf unsere Migrationshintergrund geplagte Familie selbst noch etwas. “Woher erfahren wir denn, welche Ballettschule die geeignetste ist?” war in etwa meine Fragestellung. Sowohl Groß-, als auch Mutteraugen machen sich auf, auf das äußerste unverständlich zu mir herüber zu schauen.

Ich glaube es war Dein mütterlicher Opa der mich entschuldigt anblickt und etwas von “Haben sie nicht mit Dir gesprochen?” murmelt. Nein, haben sie nicht – aber wozu auch Entscheidungen des Zentralkomitee werden bekanntgegeben und nicht zu Diskussion gestellt. Das was schon immer so. Punkt! Aus!

Genosse, abtreten!

Du gehst also ab sofort zum Ballettunterricht und der wird selbstverständlich standesgemäß abgehalten. Mitten in Düsseldorf bietet Frau Nadeschda, eine spindeldürre tanzende Absolventin renommierter Moskauer Balettinstitutionen, in ihrer eigenen Schule die beliebte rhythmische Bewegungsfreizeit an. Die jüngste Gruppe ist die der Dreijährigen und genau in dieser finden wir beiden uns von nun an jeden Freitagnachmittag ein. Selbstverständlich bin ich der einzige männliche Part in der überwiegend russischen Mama-/Töchterriege und bekomme freundlich von allen Seiten Hilfe angeboten, nachdem Du in Deiner ersten Stunde schon im verkehrtherum angelegten Tutu umherhopsen musstes. Das passiert aber wirklich schnell. Inzwischen weiß ich jedoch selbstverständlich wo vorne und hinten ist.

Passiert nicht mehr – Versprochen.

image

Zurück zur Tanzstunde. Nachdem nun alle angehenden Primaballerinen entsprechend ausstaffiert den Spiegelsaal betreten, bietet sich dem geneigten Vaterauge schnell ein verzücktes Bild: Hüpfender Frosch, Spagetti Makkaroni und schreitende Prinzessin sind einige der darzubietenden Figuren. Das macht Dir offensichtlich so viel Spaß, daß Du mich bereits Montags fragst, wie oft wir noch schlafen müssen, bis es endlich wieder zum Ballett geht. Ich sehe Dich glücklich und das ist schön.

Das geht nun eine Weile gut; die ganze Woche dreht sich nur noch um Ballett und den ersehnten Unterricht. Alles scheint bestens. Doch dann kommt unser persönlich schwarzer Freitag. Und damit der auch Wirkung zeigt, laden wir Oma und Opa auch gleich noch zum Ballett ein. Lasst die Spiele beginnen, scheint heute die Devise zu sein. Zum Prolog des Dramas läßt Du Dich noch anstandslos umziehen doch nachdem wir damit fertig sind verfällst Du in eine Blockadehaltung der Kategorie Eins: Es geht nichts mehr – zumindest nicht in Richtung Tanzsaal. Keine guten Worte, nicht die Einforderung Deines Mittun seitens Deiner Freundin Mira. Auf meinem Arm gerade noch in die Höhle der Tanztruppe, aber das war es dann bereits.

Verständlicherweise verstehe ich aktuell nun überhaupt nichts mehr uns sitze ziemlich planlos umher. Wir schauen uns das übliche Spektakel einige Minuten an und da Du alle Nachfragen konsequent verneinst, beschließe ich, das Projekt Tanzeinlage für heute zu beenden. Also alles wieder auf Anfang, ich ziehe Dich um und versuche zu verstehen was nun eigentlich los ist während Deine Großeltern ebenfalls recht ratlos in der Gegend herumstehen. Während Dein Opa etwas in der Richtung von “Es gibt halt so Tage.” äußert, fliegt die Tür auf und Deine Mutter steht im Raum. Einen Flieger früher erwischt, will sie es sich nicht nehmen lassen ebenfalls Zeuge des hüpfenden Froschs zu werden. Das kann mal wohl als Volltreffer bezeichnen: Mama da – Kind schmollt. Mit mütterlich-entsetzten Blick fordert Sie eine Erklärung was den hier los sei. Achselzuckend antworte ich schlicht und einfach “Sie will nicht – keine Ahnung warum.” Mit den Worten “Was will sie nicht?” wechselst Du den Arm und Deine Mutter beginnt eine Diskussion mit Dir ob unserer flexiblen Auslegung Deiner Willensbildung im rhythmischen Tanzbereich. Mich entbinden, zusätzlich zur maternen Präsenz, konsequent nachfragende Großeltern was den Deine Mutter auf einmal hier macht, von weiteren Aktivitäten in Deine Richtung. Folglich kümmert sich Deine Mutter um Dich und ich erkläre meinen Eltern, daß die Ballerinen-Bestaunen-Stunde kurzfristig um eine Woche verschoben ist. Pragmatisch wie meine Familie nunmal ist, sehen wir gemeinschaftlich keine Sinn darin hier auf noch auf eine weitere Verweildauer seitens Deiner Großeltern zu bestehen und verabschieden uns voneinander. Nachdem dies geschehen ist, drehe ich mich um und sehe Dich beschwingt mit allen andern Kindern durch den Tanzsaal sausen. Die verbleibende Viertelstunde Unterricht absolvierst Du, zwar in vollständiger Straßenkleidung, aber nicht weniger motiviert mit der sonst üblichen Begeisterung. Ich bin sprachlos, aber zufrieden.

Ein gut gehütetes Geheimnis wird wohl die Nachfrage nach Deinem Sinneswandel bleiben. Aber ein gestandenes Zentralkomitee gibt ja auch nicht alles bekannt. Und wahrscheinlich sitzen wir auch rein zufällig direkt nach dem Ballett in der Eisiele bei Schokoladeneins.

Geschrieben in Tarifa, Andalusia, Spain.

posted by on Das vierte Jahr, Von Geburt an

Die Beraterbranche ruht gerne zu Beginn eines neuen Kalenderjahres was eine rigorose Unterbeschäftigung Deiner Mutter mit sich bringt. Und wenn schon nix zu tun ist, was soll man da zu Hause. Deine Mutter hat in diesem Januar also eine Woche längeren Winterurlaub als ich und somit bietet sich ein trauter Mädchenausflug im Anschluß an Deinen zweiwöchigen Skikurs förmlich an. Ich setze Euch daher auf dem Rückweg vom Skifahren in Basel am Flughafen ab, damit mein Damenduo erstmal Sonne auf Fuerteventura tanken kann. Aber Vitamin D ist ja bekanntlich wichtig, vor allem in den Wintermonaten. Legitimation somit erhalten und ab geht es.

Wir sind bereits einige Tage vor Weihnachten in Richtung Alpen aufgebrochen – die betrieblichen Weihnachtsfeierlichkeiten Deiner Mutter nehmen wir bekanntermaßen seit Deiner Geburt zum Anlass nach diesen nicht mehr ins Rheinland zurück zu fahren – sondern aus der schwäbischen Provinz unmittelbar in die Berge zu starten. Die Folge dieser selbstverständlich uneingeschränkt rein pragmatischen Entscheidung; nämlich der, daß Du nicht unnötig lange im Auto sitzt, ist eine terminlich flexible Auslegung der Weihnachtstage im Kreise der trauten Familie. Theoretisch religionsgeschuldet nur einseitig zur Rücksichtnahme verpflichtet, meldet allerdings auch der nichtchristliche Teil Deiner Familie hier genügenden Anwesenheitsanspruch an. Ich habe etwas in der Art “In Russland gibt es immer zu Sylvester die Geschenke.” vernommen. Heißt in der Praxis: einmal Weihnachten und einmal Sylvester, aber eben im Januar.

Die vergangenen Jahre haben wir beides unmittelbar am Wochenende nach unserer Urlaubsrückkehr abgearbeitet. Der kleine Sonnenausflug Deiner Mutter und Dir schiebt das Ganze zwangsweise auf mindestens Mitte Januar und hier stehen wir vor einem weiteren Dilemma: die Wochenenden sind verplant. Bis dahin wusste ich noch gar nicht welch unaufschiebbaren Termine wir alle haben, aber wenn das feierliche Gedenken an die bekannte Stallgeburt Betlehems nicht drohend in den Februar abrutschen soll, bedarf es einer Konsolidierung.

Während irgendeines Telefonats mit Deiner Mutter eröffnet sie mir freudestrahlend die Lösung unserer marginalen Terminineffizienz: “Am Montag, den soundsovielten Januar bin ich in Düsseldorf. Ich gehe mit Sarah Sophie dann schon vorher zu meinen Eltern und Du kommst von der Arbeit direkt dort hin. Den Mittwoch danach lande ich um 17:45 Uhr, dann kommen Deine Eltern zu uns. Toll, oder? Paßt doch perfekt!” war sinngemäß der Nachsatz, der mich dazu auffordern sollte, neben wahren Begeisterungsstürmen, mindestens ein lobendes Wort in Richtung der uneingeschränkt großartigen Organisationsfähigkeit Deiner Mutter walten zu lassen.

Mein Einwand ob nicht eventuell zumindest die Mittwoch-18-Uhr-Weihnachtsidee ein bisschen knapp bemessen sein könnte treibt Deiner Mutter lediglich ein fernmündliches Stirnrunzeln ein. “Was ist denn daran knapp? Wenn wir um 18 Uhr essen, gibt es eine Stunde später Geschenke und wieder eine Stunde später geht Sarah Sophie ins Bett.” Ich frage nach einer schriftlichen Agenda – werde aber überhört. Dann erkundige ich mich, wie Deine Mutter eine Anwesenheit um 18 Uhr mit einer Landung nur eine Viertelstunde vorher in Einklang zu bringen gedenkt, werde aber fröhlich darauf hingewiesen, daß Ihre Anwesenheit beim Essen ja nun nicht so unbedingt direkt zwingend von Nöten ist, sie aber zur Bescherung auf jeden Fall zugegen sein wird. Diese Aussage beruhigt mich selbstverständlich vollständig und Weihnachten ist gerettet.

Der Montag-18-Uhr-Sylvestertermin funktioniert problemlos: Ihr sitzt zwar seit Stunden am Tisch, aber Dein mütterlicher Opa läßt es sich nicht nehmen mir jeden Gang des Essens in chronologischer Reihenfolge zu servieren und zwar in der Art, daß wir alle zum Dessert und Tee wieder gleichauf sind. Chapeau! Mercie! Und zu meiner großen Überraschung sind wir, nach noch nicht einmal einstündiger Verabschiedung, auch noch zeitlich passabel zu Hause. Es geht also wirklich wenn man will.

Zwei Tage später findet folglich Weihnachten statt. Und wer es bis jetzt noch nicht wusste, daß Du die Tochter Deiner Mutter bist, der kann es hier erleben.

Unsere Geschenke für Deine Großeltern liegen auf dem Tisch im Wohnzimmer und unmittelbar nachdem Oma und Opa den Raum betreten haben, spazierst Du los um jedem von ihnen ihr Geschenk zu überreichen. “Das ist für Euch, daß müsst Ihr aber schnell auspacken, weil Ihr müsst ja auch bald wieder nach Hause. Es ist ja schon spät.” Ich überlege kurz ob ich Wein durch Schnaps ersetzen soll, da folgt mir mein Vater in die Küche, bedankt sich wirklich herzhaft für das Geschenk und bemerkt wie vernünftig Du doch schon bist und wie gut es doch sei, daß wir uns alle gegen ein langwieriges Abendessen entschieden haben.

Es dauert keine Stunde und nachdem Du zweimal ausgiebig gegähnt hast, fragen Deine Großeltern nach, ob es nicht zu unhöflich sei, wenn sie jetzt nach Hause fahren würden – Du seihst ja offensichtlich doch sehr müde. Ich glaube Deine – inzwischen eingetroffene – Mutter sagen zu hören: “Es ist ja auch schon spät, wir holen das nach.”

Eine prima Idee finde ich. Vielleicht im Dezember, da ist ja Weihnachten.

Geschrieben in Genoa, Liguria, Italy.