Yerevan – Kaukasus V.I.P.

Bisher waren wir – bis auf einen innerdeutschen „Testflug“ mit Dir ausschließlich mit dem Auto unterwegs. Geflissentlich überhört haben wir in den vergangenen Wochen wie kompliziert und anstrengend doch das Reisen mit Kindern sei. Ich gebe zu, die Gepäckmenge nimmt etwas über Gebühr zu, ansonsten teile ich diese Meinung aber überhaupt nicht. Als sportlichen Ansporn laden wir uns selbstverständlich noch etwas mehr dazu. Da wir in Armenien und Abchasien Freunde besuchen bedarf es einiger Gastgeschenke und so sieht unser Gepäck wir folgt aus: Ein Kinderwagen im schicken Flightcase, Autokindersitz und einiges Spielzeug sowieso. Für Dich einen kleinen Koffer, zwei große für uns, meine Photoausrüstung in Tasche und Rucksack sowie die Geschenke und die nahrungstechnischen, hygienischen Basics für Dich in zwei Transportkisten die auf dem Rückflug entfallen. Deine Mutter hat mehrfach mit Aeroflot in Moskau telefoniert und grünes Licht für unsere leichte Übergepäckproblematik eingeholt. Das bestellte Taxi, ein Mercedes E-Klasse Kombi ist mit diesem Marschgepäck bereits leicht überfordert und so werden wir mit Taschen auf dem Schoß gen Flughafen chauffiert. Da wir uns entschlossen haben ausnahmsweise mit ausreichendem Zeitfenster anzureisen ist der Check-in Schalter noch wenig frequentiert und wir schieben unseren Hausstand heran. Die freundlichen Dame vom Bodenpersonal lächelt uns an und beantwortet die Frage Deiner Mutter nach einer Sitzreihe ganz vorne um mehr Platz für Dich zu haben mit einem eloquenten: Die ist bereits für Sie reserviert. Ich bin begeistert. Das Gepäck nimmt sie anstandslos entgegen, schickt uns zum Sondergepäckschalter und das wars bereits. Prima, wir gehen erstmal frühstücken.

In der Maschine bist Du bei allen Stewardessen der Star und bekommst nach dem Start sogar Dein eigenes kleines Bettchen, welches direkt vor unseren Sitzen an die Wand montiert wird. Das möchtest Du zwar zum schlafen eher weniger nutzen, da bietet in Deinen Augen Mamas Schulter doch den größeren Komfort, als Turn- und Spielplatz ist das Gerät aber unübertroffen.

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Das Umsteigen in Moskau gestaltet sich ebenfalls problemlos und einige Stunden später erfahren wir eine weitere V.I.P.-Behandlung: Der Einreisebereich vor den Paßkontrollen in Yerevan ist gut besucht und wir stellen uns brav hinten an. Da stehen wir aber nicht allzu lange, sondern werden von einer freundlichen Offiziellen zu einem Sonderschalter geleitet der unsere Visa in Windeseile abstempelt und uns Herzlich Willkommen heißt. Während dieses Prozedere thronst Du auf dem kleinen Schalterbrettchen und schaukelst mit den Beinchen in Richtung Zollbeamtin. Das findet diese offensichtlich so großartig, daß wir nicht umhin kommen ihr Deine bisherige Lebensgeschichte zumindest in der Kurzfassung zu erzählen. Ja, reisen mit Kindern ist schon anstrengend.

Unser Begrüßungskomitee wundert sich überhaupt nicht über unser Gepäckaufkommen sondern beordert sogleich ein weiteres Auto heran um alles einladen zu können. Eine knappe Stunde später beziehen wir bereits unsere Wohnung mitten in der Yerevaner Innenstadt und Du kommt pünktlich (nach deutscher Zeit) ins Bett. Den nächsten Tag verbringen wir in im zentralen Yerevaner Park bevor wir uns bei Schaschlik und lokalem Bier (zumindest ich) von der ach so strapaziösen Reise endlich erholen können.

Von wem stammt eigentlich der Unsinn mit dem anstrengenden Reisen, sobald Kinder dabei sind?

Geschrieben in Goris, Sjunik, Armenien.