Der 142./ 90. Monat – Grüezi

Der Wonnemonat Mai ist dieses Jahr wenig wonnig und das Boot immer noch nicht im Wasser, was gleichbedeutend damit ist: Was machen wir am Wochenende? Leo kommt unverzüglich mit dem Fortuna-Spielplan an und weiß natürlich sofort was mit dem Restprogramm der Liga im Mai zu tun ist. Die Gegenliebe zu dieser großartigen Idee seitens Eurer Mutter schenke ich mir jetzt mal an dieser Stelle. Wir belassen es bei den Heimspielen. Und dann sind da ja auch noch die langen Wochenenden die sich immer wieder im Mai tummeln.

Während der Frühlingsferien haben wir auf Kuba eine Schweizer Familie kennengelernt die so ziemlich die gleiche Kindersituation hat. „Unsere Schweizer“ wie sie fortan nur noch genannt werden. Elin ist genauso alt wie Sarah Sophie, Bastian nur ein Jahr älter als Leo und genauso Fußballverrückt wie Du. Nur trägt der eben ein Trikot von den Young Boys Bern, der Rest ist absolut identisch. Die Eltern Sandra und Emanuel sind im positiven Sinne so herrlich „normal“ – was man zur Zeit wirklich gesondert erwähnen muss, schleppt ihr doch nicht selten Freunde an bei deren Eltern ich mir nicht sicher bin ob die jetzt ihre eigene Karikatur spielen oder das alles doch in beängstigender Weise echt ist. Aber das ist ein anderes Thema. Kurzum: das paßt.

Wir freuen uns über Ihre Einladung sie zu besuchen und stellen fest, daß „Auffahrt“ in der Schweiz ebenfalls ein Feiertag ist wie „Christi Himmelfahrt“ bei uns. Der dazugehörenden Brückentag am Freitag hat Sarah Sophie einen beweglichen Ferientag, Leo dummerweise nicht. In den mittlerweile sechs Jahren, die einer von Euch die immer selbe Grundschule besucht, war zwar immer der erste von den beiden Donnerstagsfeiertagen im Mai/ Juni Freitags schulfrei – aber dieses Jahr eben nicht. Ja, man hätte auf den Plan, der bei uns extra über dem Herd hängt gucken können, damit eben genau das nicht passiert. Mein Fehler. Deine Klassenlehrerin hat aber ein Herz für verschusselte Väter und Du bekommst offiziell frei. Geht natürlich nicht ohne Kommentar seitens Eurer Mutter: „Muss offiziell sein? Sind wir heute wieder deutsch?“

Eure Mutter ist die Tage davor sowieso irgendwo in der Schweiz unterwegs, wodurch wir beschließen uns in Basel zu treffen. Ihr beide, der Hund und ich fahren mit der Bahn. Und das ist mit Hund besonders amüsant. Laut DB-App muss man angeblich nur bei den Reiseteilnehmern den Reisenden „Hund“ hinzufügen und dann kostet Emma den halben Fahrpreis. Ist aber alles Theorie, zumindest bei meiner Buchung. Für das Hundeticket darf man gesondert im Reisezentrum am Bahnhof vorstellig werden um ein Wuffoticket zu erwerben. Ja, wir schreiben das Jahr 2023. Aber irgendwann sitzen wir wirklich im Zug, der mit standesgemäßer Verspätung auch irgendwann abfährt. Die addiert sich im Laufe der Fahrt so hoch, daß wir den Schweizer Bahnhof in Basel nicht mehr ansteuern können, da die Schweizer Bahn nur wenige Minuten Verspätung eines deutschen Zuges akzeptiert sonst heißt es schlicht: „Du kommst hier nicht rein.“ Ich frage mich, ob in den letzten Jahren jemals eine Lokomotive der Deutschen Bahn Zürich oder Basel erreicht hat. Praktischerweise hat die Deutsche Bahn in Basel gleich einen eigenen Bahnhof gebaut der in diesen höchstseltenen Fällen angesteuert werden kann. Da ist man sozusagen unter sich. Wie die das dann in Zürich machen ist mir ein Rätsel. Woher ich das alles weiß? DB-Zugbegleiter haben mehr Freizeit als ihre Schweizer Kollegen. Die Züge fahren ja länger und bieten somit Verspätungstraurigen Fahrgästen heitere Geschichten im Vorbeibummeln als Entschädigung.

Thankyou for traveling with Deutsche Bahn.

Ich informiere Eure Mutter folglich uns bitte am Verspätungsbahnhof einzusammeln und rund drei Stunden später als geplant kommen wir da auch an. Aber immerhin kommen wir an. Bahnreisende sollten sich in Demut üben habe ich gehört.

Unsere Schweizer waren erstaunt, als wir ihnen peinlicherweise eröffnen müssen, daß wir – mit der einzigen Ausnahme Skifahren – noch nie in der Schweiz unsere Ferien verbracht haben. Schweiz im Sommer ist für mich: Plakette aufs Auto und in einem Rutsch durch nach Italien. Warum weiß ich eigentlich auch nicht.

Also haben wir dann wohl erstmal das gemacht, was man in der Schweiz so macht, wenn man „das erste Mal“ da ist: Schokoladenmuseum, Käserei zum mitmachen und ganz viel in den Bergen wandern light. Zu mehr taugen rheinische Flachlandspaziergänger nicht, das habe ich von vorne rein klargestellt. Schweizer sind verständnisvoll. Das finde ich gut.

Wir wandern tatsächlich, Mai 2023, Schwarzsee, CH

Und während dieser Tage haben wir dann auch beschlossen, daß unsere Schweizer in den Sommerferien eine Woche nach Holland kommen, wenn wir dort auf dem Boot herumfaulenzen. Sandra möchte unbedingt einmal in einem Wohnmobil Urlaub machen und wir stellen ihnen den Camper zur Verfügung. Sozusagen Camping light.

Es ist im Gespräch das hierfür eine Anreise mit der Bahn erwägt wird. Das finde ich sehr mutig, ich habe nämlich keine Ahnung wie es die holländische Bahn mit der Verspätung aus Deutschland so hält. Ein Schweizer überschreitet doch keine Grenze mit Verspätung, oder?

Grüezi.

Geschrieben in Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland.