Der 116./ 117. – 64./ 65. Monat – Wer, wann, und vor allem: Mit Wem?

Die Reisemöglichkeiten in den Frühlingsferien sind überschaubar. Frankreich und Italien sind nahezu abgeriegelt, womit die Auswahl etwas schwer fällt. Überraschend fällt mein Vorschlag wieder in die Schweiz zu fahren auf fruchtbaren Boden. Das mag möglicherweise damit zusammenhängen, daß Eure Mutter zu Beginn der ersten Ferienwoche zwei Tage in Altötting zu tun hat und wir das sozusagen auf dem Weg im „vorbeifahren“ erledigen können. In Sarah Sophies Schule herrscht große Aufregung als durchsickert, daß offenbar mehrere Familien Auslandsaufenthalte planen. Sämtliche Eltern werden aufgefordert Erklärungen abzugeben, was jeweils in den Ferien geplant ist. Individuelles Skifahren im eigenen Camper in der Schweiz geht offenbar noch so grade akzeptiert durch und uns wird schulseitig schöne Ferien gewünscht. Ob das bei den Spanien- und Dubai-Varianten in der Klasse auch so ist, weiß ich nicht, bemerkenswert finde ich das alles allerdings schon. Ein Jahr Corona hinterlässt definitiv überall Spuren bizarrer Art.

Also fahren wir am ersten Ferienwochenende in Richtung Bayern wo wir im Hotel die einzigen Gäste sind, was Euch nicht weiter stört, da ihr den Hund des Besitzers „temporär adoptieren“ dürft. Der sitzt sogar beim Frühstück mit am Tisch.

Adoptivhund, März/ April 2021, Altötting, D

Hier ist es Ende März so dermaßen warm, daß uns ernste Zweifel kommen 300km weiter südwestlich im Schnee zu sitzen. Sitzen wir aber dann wirklich und alles ist gut.

Ihr beide erinnert Euch natürlich an die arktischen Temperaturen aus den Winterferien. Da war es gerne mal -20° und Skifahren nicht mehr der ganz so bevorzugte Freizeitvertreib. Das sieht jetzt anders aus. Nichtsdestotrotz verhandelt Sarah Sophie bereits am ersten Abend, nicht auf den Berg zu müssen, wenn es zu kalt ist. Ein weiteres Argument sind die drei Hunde von Katja aus Berlin, die nebst Tochter Angelina in den kommenden Tagen ebenfalls hier einlaufen. Gegen zwei Labradore und einen Cockerspaniel komme ich natürlich nicht an – das leuchtet ein.

Leo dreht das kurzerhand um und verkündet selbstbestimmt: „Papa, dann gehen eben nur die Jungs auf den Berg! Für die Mädchen ist das ja viel zu kalt!“ Eure Mutter wird geschlechtsbedingt ungefragt inkludiert. Damit ist die Sache abgemacht und wird auch genauso schnell wieder vergessen. Leo besucht wieder die Skischule und Sarah Sophie fährt mit uns. Das geht ein paar Tage gut und es herrscht bestes Ski- und Snowboardwetter. Dann kommen die Berliner und ein Wetterbericht mit bewölktem Himmel für den kommenden Tag.

Nahezu automatisiert erinnert Leo seine Schwester an besagte Vereinbarung und es entbricht eine leidenschaftliche Debatte zwischen Euch beiden wer jetzt wann, mit wem wohin zu gehen hat und vor allem: Wer eben nicht. Ich verliere relativ schnell den Überblick und gehe davon aus alleine zu fahren. Sofern ich das Geschehen in Summe doch noch korrekt interpretiere möchte Leo auf jeden Fall mit mir alleine fahren, Sarah Sophie sich aber nicht von Dir vorschreiben lassen eben genau das nicht zu tun, gleichzeitig im Tal bleiben und doch auf den Berg. Möglichst alles gleichzeitig oder so ähnlich.

Am kommenden Morgen scheint doch die Sonne und während Leo seiner Schwester einzureden versucht, sie habe doch gestern versichert heute nicht auf den Berg zu wollen, ziehst Du dir deinen Snowboardanzug an, selbstverständlich nicht ohne leidenschaftlich verbal dagegen zu steuern. Eure Mutter und ich haben längst aufgehört in dieser Diskussion irgendeinen Sinn erahnen zu wollen und beschränken uns darauf in zehnminütigen Intervallen daran zu erinnern, daß Leos Skischule um 10Uhr beginnt. Wir sind uns einig Schnaps am Morgen kann keine Lösung, aber derzeit durchaus ein probates Hilfsmittel zur Erhaltung einigermaßen funktionierender elterlicher Nervenkostüme sein. Da wir nichts hochprozentiges an Bord haben erwähne ich rein deeskalierend „Der nächste Shop ist nur 3 Minuten zu Fuß entfernt.“

Wir schaffen alkohollos die Talstation zu erreichen, Leo ist pünktlich in der Skischule und Eure Mutter und ich sind mächtig stolz auf uns.

Am nächsten Morgen, nach einer durchschneiten Nacht, genau das gleiche Drama, lediglich mit dem Unterschied, daß jetzt die Sonne wirklich nicht scheint und Leos Skikurs beendet ist. Nach einem knapp einstündigem Diskurs unter Austausch vergleichbarer Argumente wie gestern, gibt Eure Mutter an Eides Statt bekannt heute nicht fahren zu wollen, weil ihr das sonnenlos doch nicht so richtig Spaß macht. Sarah Sophie klingt sich sofort ein und Leos Welt ist wieder heile. Die Jungs gehen alleine auf den Berg und gleiten auf feinstem Neuschnee dahin.

Wer, wann, und vor allem: Mit wem?, März/ April 2021, Samnaun, CH

Kurz vor dem Mittagessen reißt oben die Wolkendecke auf und es scheint die Sonne. Das melde ich mittels gesendetem Foto und als Leo und ich uns, zum Mittagspicknick, auf die Decke vor dem Skidepot plumpsen lassen sind Eure Mutter und Sarah Sophie schon da.

Sarah Sophie, Cami, Bella und Nastia, März/ April 2021, Samnaun, CH

Ach ja, Katja, Angelina und die Hunde haben sie zur Sicherheit gleich mitgebracht.

Worüber haben wir eigentlich zwei Tage diskutiert?

Geschrieben in Well, Limburg, Niederlande.