Der 86./ 34. Monat – Feiertage für alle

Okt
2018
27

posted by on Das siebte Jahr, Von Geburt an

Die Schulzeit hat Sarah Sophie wieder zurück. Damit aber der Übergang von über sechs Wochen Sommerferien in die zweite Klasse weich genug vonstatten geht stehen die üblichen verdächtigen Feiertage vor der Tür.

Sarah Sophie stellt fest, daß, eine jüdische Schule zu besuchen bei den meisten nicht religionskonformen Freunden zum einen Fragen, aber vor allem ein wenig Begehrlichkeiten aufkommen lässt, wenn Du mal wieder mit tiefer Überzeugung verkündest die nächsten Tage frei zu haben. „Werkverbot“ heißt jenes ungelenke Wort welches das Arbeitsverbot an biblischen Feiertagen im jüdischen Kalender regelt und somit unserer Schule die Pforten verschließt. Der aktuelle Monat ist voll davon.

Erfreulicherweise fällt die Entstehung der Welt vor 5779 Jahren dieses Jahr auf einen Montag und Dienstag, womit Rosch Haschana somit zu einem langen Wochenende erweitert wird. Die alljährliche Reue, Buße und daraus resultierende Vergebung zu Jom Kippur wird uns unpraktischerweise diesjährig genau mitten in der Woche zuteil, was aber wiederum durch das Wüstenwanderungsgedenken in Verknüpfung mit der Dankfest zum Einbringen der Ernte an Sukkot an einem Montag und Dienstag kompensatorisch gerettet wird. Oder kurz gesagt: Zwei sehr lange Wochenenden und ein einsam dastehender Mittwoch verkürzen uns sowohl schulisch als auch arbeitsmäßig den September in diesem Jahr, bevor direkt zu Beginn des Oktober am Ersten und Zweiten desselbigen im wahrsten Sinne des Wortes wirklich „Schluss“ ist und mit dem „Schlussfest“ Schemini Azeret sowie Simchat Tora dann die Wintersaison eingeläutet wird.

Noch alles klar in der Feiertäglichen Formation?

Eure Mutter hat wie immer vorgesorgt und selbstverständlich Arbeits- sowie Religionskalender synchronisiert und wir juckeln mit der ganzen Mischpoke einfach mit. Sarah Sophie hat sich zum Geburtstag einen Besuch im Legoland gewünscht, den wir nun absolvieren. Wir entscheiden uns für den deutschen Ableger des dänischen Originals, gelegen in Günzburg zwischen Ulm und Augsburg, da wir an diesem langen Wochenende eine organisatorische Spezialleistung der besonderen Art zu bewerkstelligen haben, die selbst für unsere Verhältnisse schon bemerkenswert ist. Eure Mutter hat seit kurzem einen neuen Kunden, den sie zum einen für – bis dato – optimierungssportiv hält und zum anderen die beauftragte Betriebsstätte in einer für Düsseldorfer grenzwertig-obsolet anzusteuernden Gegend liegen hat: Wir sprechen über einen nationalen Konzern in Köln! Vorteil des Projektes ist der entfallende Hotelaufenthalt kombiniert mit dem Umstand sie in den nächsten Wochen immer mal wieder unter der Woche abends zuhause zu haben. Ihr beide findet das folgerichtig großartig und die Nummer startet ein wenig wundersam holprig.

Mit dem zuständigen Werksleiter gestalten sich bereits telefonische Absprachen im Vorfeld – sagen wir mal anspruchsvoll – und an einem der beiden „Legoland-Feiertagen“ möchte eben jener Kunde Eure Mutter vor Ort haben. Wir starten Freitag-Abend zu einem Bauernhof zehn Kilometer hiervon entfernt und ich werde postwendend zum „Welt-allerbesten-Papa“ deklariert, nachdem ich Sarah Sophie berichtet habe, daß es hier Hasen, Kaninchen und Ponys gibt.

Hasen über alles, Sep. 2018, Leipheim, D

Hasen über alles, Sep. 2018, Leipheim, D

Wenig überraschend hast Du den Kaninchenstall die nächsten drei Tage lediglich zum Essen und den nachmittäglichen Reitstunden verlassen. Leo kann bekanntlich mit kleinem Getier weit weniger anfangen und Du fütterst lieber hingebungsvoll jedes Rindvieh persönlich im Stall.

Keine Angst vor großen Tieren, Sep. 2018, Leipheim, D

Keine Angst vor großen Tieren, Sep. 2018, Leipheim, D

Erwähnenswert ist zudem der Umstand, daß ihr beide keinerlei Verwunderung an den Tag legt während wir Euch erklären, daß Eure Mutter den kleinen Familienausflug am Montag mitten in der Nacht kurzfristig verlässt um am späten Abend zurück zukommen. Wenn man je Strecke jeweils viereinhalb Stunden An-/ Abreisezeit mit dem Zug addieren muss, bleibt das einfach nicht aus. Sarah Sophie lässt sich ganz pragmatisch versichern, daß wir aber am Dienstag verbrieft ins Legoland gehen und fragt gewiss ganz zufällig nochmal nach, ob es denn auch Geschenke gibt, wenn Mama abends von der Arbeit kommt. Kindliche Prioritätenbildung nenne ich das mal vorsichtig. Leo lässt sich zur Sicherheit mehrmals täglich versichern, daß er mit „Mama Arbeit – Papa nein“ noch richtig liegt und die ganze Aktion geht komplett unaufgeregt über die Bühne. Mit Papa allein zuhaus geht also auch auf dem Bauernhof.

Da ist es wohl nicht ganz zufällig, daß wir zum Ende der ganzen Festtage in Berlin landen, Eure Mutter jedoch abermals von dort nach Köln muss. Diesmal zwar mit dem Flieger, dafür aber zwei Tage, folglich über beide Feiertage. Auch das hat bei Euch keinerlei Irritation hervorgerufen.

Ein paar Tage später wollte doch tatsächlich jemand von mir wissen, warum wir bei Jobs Eurer Mutter zuhause ums Eck denn nicht in den eigenen vier Wänden weilen und sie sozusagen verkehrtherum fliegen lassen, wenn sie doch feiertagsbedingt gar nicht arbeiten darf.

Wie kann man nur eine so dermaßen schwierige Frage stellen?

Ich habe an der Stelle dann lieber die Geschichte mit der Entstehung der Welt erklärt: Das ist eindeutig einfacher und schließlich fing damit der ganze Schlamassel ja überhaupt erst an!

Geschrieben in Tel Aviv-Yafo, Tel Aviv District, Israel.