Der 73./ 21. Monat – Waldfinale & möglichst mehr Meer

Aug
2017
29

posted by on Das sechste Jahr, Von Geburt an

Es ist soweit: Sarah Sophies Waldkindergarten-Zeit geht zu Ende. Drei Jahre, welche wahrscheinlich zu den schönsten Deines Lebens gehören sind einfach vorbei. Mit dem Pragmatismus meiner Tochter kann ich nicht zwar nicht ganz mithalten, aber mit Deiner Aussage: “Papa, Wald ist gestern, heute ist Urlaub und morgen ist Schule.” umschreibst Du unsere aktuelle Lebenssituation komprimiert durchaus treffend. Aber als ich Dich nach der üblichen Waldübernachtung des Abschlussjahrgangs morgens abhole und mir Deine gesammelten Werke, Forscherbücher und eine Fotomappe der vergangene Jahre überreicht werden, habe ich ziemlich nah am Wasser gebaut. Das gebe ich hier ganz offen zu und sieht man mir wohl auch an. Jedenfalls nimmt mich unser Waldhäuptling Erica fest in den Arm und versucht mich aufzumuntern: “Ihr seit ja nur ein Jahr weg, dann bringst Du doch Leo.” Das stimmt nun auch wiederum und es hilft ja auch alles nix, für Sarah Sophie beginnt ein neuer Lebensabschnitt und da muss der alte wohl zwangsläufig weichen. Schön wars, Ende, Abspann und aus. Punkt!

Die letzten Tage vor dem Urlaub verbringt Sarah Sophie auf der Ponywiese und eigentlich wollten wir am Wochenende davor Freunde an der Ostsee besuchen, Ihr beide mit Eurer Mama am Montag früh von Hamburg in die Ukraine fliegen, damit ich Euch dann am darauffolgenden Samstag mit dem Campingbus in Bologna am Flughafen einsammeln kann und wir alle gemeinsam in Livorno auf die Fähre nach Korsika gehen. Soweit der Plan, klappt aber nicht, weil sich erst Leo mit Fieberkrämpfen, Bewusstlosigkeit und dem ganze daranhängendem Tamtam ins Krankenhaus und danach in die beliebte Kinderkrankheit “Hand-Fuß-Mund” verabschiedet um einen Tag später auch Sarah Sophie damit anzustecken. Eure Mutter storniert Flüge, Hotel und Kindermädchen und erklärt den Ukrainern eine unabänderliche Terminverschiebung.

Sarah Sophies größte Sorge ist, daß nun der avisierte Urlaub ausfallen könnte, da sie bereits bei mir den Kauf eines Kinderschlauchboots ausgehandelt hat und für Leo mittels mehrmaligem Herumsuchen in der Garage die geeignete Auswahl an aufblasbaren Gummitieren zusammengestellt hat. Am Montag gibt der Kinderarzt grünes Licht, sofern bis Mittwoch bei Sarah Sophie keine Verschlechterung auftritt und Leos bunte Pusteln nicht weiter zunehmen. Der Countdown läuft somit und Sarah Sophie steht ungefähr zwanzigmal am Tag vor dem Spiegel und beäugt sich akribisch, um anschließend wieder bei Leo jeden Ausschlagspunkt zu zählen. Wir haben Glück und offenbar zwei robuste Kinder mit denen wir am Donnerstag-Abend in Richtung Süden aufbrechen können.

Auf der Insel brauchen wir auch nur zwei Strandbuden und einen Supermarkt um das geeignete Wassergefährt zu finden mit dem Sarah Sophie von nun an fröhlich jeden Tag umherpaddelt. Leo entdeckt in der Zwischenzeit das zur Verfügung stehende Ensemble der schwesterlich zusammengestellten Gummitiere und auch hier gilt: je größer desto besser. Bei dem Delphin klappt das Beklettern zu Lande zwar wunderbar, im Wasser erweist sich das Getier aber doch als recht unhandlich und nach dem dritten unfreiwilligem Tauchgang schleppst Du kopfschüttelnd und unaufhörlich “Nein, nein, nein, …” brabbelnd das Spielzeug an den Strand.

In diesen Tagen stelle ich erneut fest, wie völlig angstbefreit Du bist. Schwimmen kannst Du naturgemäß natürlich noch nicht, aber das Element an sich findet Deine volle Zustimmung. Auch wenn Du mal wellengeschuldet umfällst, prustend nach Luft schnappst, ganz egal sofort wieder ab ins Wasser. Mittlerweile hast Du verstanden, daß Dich die lustigen roten Dreiecke an Deinen Armen über Wasser halten und Du dennoch mit den Beinen für genügend Vortrieb sorgen kannst. In Kombination mit Fridolina, dem grünen Krokodil Deiner Schwester, schaukelst Du jedenfalls begeistert durch den Seegang.

Leo und Fridolina, Korsika, F & Chiemsee, D, August 2017

Leo und Fridolina, Korsika, F & Chiemsee, D, August 2017

Wieder an Land äußert sich Dein ausgeprägter Wille dann schon mal etwas rustikal wie aktuell immer wieder zu beobachten: Du teilst bereitwillig Dein Sandspielzeug mit anderen Kindern, forderst das allerdings ebenso von den anderen ein. Ist dem dann mal nicht so, wird schonmal Dein Gegenüber mit der Schüppe traktiert und wenn Deine Schwester es wagt die Spielzeug-Eishörnchen an sich zu nehmen, bekommt sie gerne den Eimer in Richtung Kopf geschleudert. Alternativ sind wahrscheinlich lange Haare einfach dazu gemacht um daran ziehen zu können. Kurzum, in diesem Urlaub arbeite ich an Deinem Sozialverhalten mit Hochdruck.

Beruhigend sind glücklicherweise die meisten Reaktionen auf Seiten der Eltern der von Dir malträtierten. “Das geht vorbei. Jungs sind eben so.” ist der meist gehörte Satz am Strand. Das will ich gerne glauben, aber beeil Dich gefälligst mal ein bisschen damit mein kleiner Rabauke. Mir gehen langsam die Entschuldigungen aus.

Geschrieben in Chiemsee, Bavaria, Germany.