Der 67./ 15. Monat – Nur noch Bananen

Aug
2017
19

posted by on Das fünfte Jahr, Von Geburt an

Wie selbständig laufen funktioniert hat Leo nun endgültig verstanden und macht rege Gebrauch davon. Aus und vorbei die Zeit wo ich Dich einfach mal eben irgendwo hinsetzen kann. Denn wer schon laufen kann, sollte das auch tun, denkst Du Dir wahrscheinlich. In der Wohnung oder im Hotel ist das noch ganz lustig, draußen auf einer Straße eher weniger. Aber wer eine große Schwester hat, hat eben auch eine Leibwache. Sarah Sophie wird nicht müde hinter, neben oder vor Dir her zu flitzen und gehörig auf den kleinen Bruder aufzupassen. Zwischendurch kann das ganze von einer spontanen Knuddelattacke Seitens der Großen unterbrochen werden was uns nicht selten ein Schmunzeln entlockt.

Nebenbei sind in diesem Monat Leos nuscheligem Kinderquderwelsch zwei elementare Worte mehr oder weniger deutlich zu entnehmen: Mama und Papa! Elterliche Verzückung inklusive. Das wesentliche Ereignis diesen Monats ist aber eindeutig und unangefochten Deine neu erklärte Lieblingsspeise – und das sind Bananen. Je mehr, je größer desto besser.

Bananen

Bananen, Bananen und nochmals Bananen, Februar 2017

So ein neuerlicher Bananentag sieht exemplarisch so aus:

Wenn Du in den frühen Morgestunden die familiäre Nachruhe kollektiv für beendet erklärst, kletterst Du rückwärts aus dem Bett (und zwar exakt gleich wie Deine Schwester im gleichen Alter) um forschen Schrittes Richtung Küche zu stolpern damit nun eine Art brumpftiger Urschrei die Wohnung erschüttert. Spätestens jetzt sollte auch die Nachbarschaft im Nebenhaus erwacht sein. Folge ich Dir nun schlaftrunken in die Küche steht mein Sohn auf Zehenspitzen vor dem kindersicher platzierten Bananenvorrat um wild gestikulierend seinen nicht verhandelbaren Wunsch nach dem tropischen Staudengewächs Ausdruck zu verleihen. Unter bis zu zwei Bananen ernährunstechnischer Vorleistung treten wir zum Frühstück gar nicht erst an. Wer weiß schon was man da sonst so bekommt. Die obligatorischen Frühstücksflocken zählen da im Prinzip schon als Dessert. Aus verbriefter Quelle weiß ich, daß Du beim zweiten Frühstück im Kindergarten derart gestärkt keineswegs an Appetitlosigkeit leidest, was mir wiederum schlagartig die quälenden Versuche Deiner Schwester Essen anzubieten ins Gedächtnis ruft. Leo isst gefühlt den ganzen Tag und hier scheint die elterliche Aufgabe lediglich die kontinuierliche Bereitstellung eines dauerhaften Nahrungsstroms zu sein.

Aber zurück zu den Bananen!

Hole ich Dich vom Kindergarten ab – ganz gleich welche Uhrzeit – bekletterst Du Deinen Autositz nicht ohne Dich vom Inhalt meiner Tasche zu überzeugen und verfällst nach erfolgreichem Bananenanblick in eine Art freudiger Hysterie ob der bevorstehender Zwischenmahlzeit. Die Fahrt nach Hause oder alternativ zum benachbarten Spielplatz dauert glücklicherweise genau eine Bananenlänge. Dort angekommen spielst Du ein bisschen um spätestens in einer Stunde mal wieder vorbeizuschauen und die Bananenbevorratung um mindestens ein Exemplar zu reduzieren.

Spätestens kurz vor dem Abendessen zeigt sich dann Leo erneut in ultimativer Bananenlaune und pocht nicht gerade leise auf sein erlerntes Bananenrecht. Aber klar, einmal Chitas Lieblingsspeise als erster Gang vorab, geht immer. Die Portion Buchweizen verdrücken wir dann so nebenbei. Wahrscheinlich wohl wissend, daß da möglicherweise noch etwas krummes gelbes wartet. Der Fall tritt dann auch mit ziemlicher Sicherheit ein.

Schläfst Du dann, ertappen sich Deine Eltern nicht selten dabei in der Küche die entsprechende Vorratsmenge zu kontrollieren um abschätzen zu können, in wie weit wir damit den folgenden Tag überstehen könnten. Wohlgemerkt “könnten”. Gerne wirst Du des Nächstens auch mal wach um dann nicht selten einen kleinen Imbiss einzunehmen, selbstverständlich in Form einer Banane.

So, bevor mich jetzt alle gestandenen Übereltern zur Kinder-Ernährungsberatung schleppen: Ja, mir ist durchaus bekannt, daß Kinder ausreichend Milch zu sich nehmen sollen und eben diese in Kombination mit Bananen zu verdaulichen Problemen führen können. Darüber denke ich auch manchmal ganz fest nach, wenn Du – um noch einen draufzulegen – den zweiten Becher fettester, selbstverständlich nicht homogenisierter Heumilch auf ex zwischen zwei Bananen in Dich hineinstürzt. Mäßigung ist eher nicht so Dein Ding.

Ach übrigens wurde mir letztlich aus Deinem Kindergarten bestätigt, daß Du offenkundig keine Probleme beim Essen hast, auch Obst isst Du ja ganz gerne. Wenn ich mal nicht weiter wüßte, solle ich Bananen versuchen, die scheinst Du besonders gerne zu mögen.

Da hätte ich aber auch selbst drauf kommen können. Eine Banane gefällig, mein kleiner Kerl?

Geschrieben in San-Giovanni-di-Moriani, Corsica, France.