Der 55./ 3. Monat – Holland in Tirol

Das wir mit nun zwei Kindern weniger reisefreudig sind steht natürlich nicht zur Debatte, Skifahren ist also gesetzt und im Februar ist es endlich soweit. Zugegeben hält sich die Begeisterung Eurer Mutter in überschaubaren Grenzen, dürfte es ihr ja dämmern die kommenden Tage Dauergast irgendeiner Talstationshütte zu sein. Diesmal entscheiden wir uns für die Kitzbüheler Alpen und starten Richtung Fieberbrunn. Der Campingplatz liegt direkt an der Talstation und alles scheint gut. Es hat genug Schnee und die Aussichten sind prächtig. Lediglich der geringfügige Misstand einer defekten Heizung im Campingbus läßt die erste auch die letzte Nacht dort sein. Dumm gelaufen aber durch die örtliche Touristeninformation vor Ort nicht weiter relevant. Wir finden ein kleines Appartement im Ortszentrum und spazieren eben jeden Tag zu Fuß zum Lift.

Am nächsten Morgen geht es zunächst zur Skischule, Material und Kurs für Sarah Sophie organisieren. Eure Mutter stellt sofort klar, daß hier mit Anfängergruppen überhaupt nichts zu gewinnen ist und verweist auf den letztjährigen Skikurs von Dir. Ich behaupte jetzt mal der gemeine, gestandene Tiroler Skilehrer hört nicht zum ersten Mal möglicherweise, eventuell, punktuell nuanciert zu positive Einschätzungen kindlicher Alpinleistungen. Ich halte mich da einfach mal zurück und kaufe die Skipässe. Dein Skikurs startet zwar erst am kommenden Tag, aber Deine Ski willst Du natürlich sofort ausprobieren und so ziehe ich Dich artig den kleinen Hügel herauf und erst nachdem auch Du einsiehst, das ein gesamter halber Meter Höhenunterschied nichts bringen wird entledigst Du Dich Ski und Schuh. Das Skipässe aber auch erst für folgende Tage gelten betrübt Deine kindliche Seele deutlich und nahezu ganze zehn Minuten, denn dann geht es zum Essen. Spagetti Napoli heißt unser aktuelles Zauberwort und wer braucht da schon Babyberge. Prinzip Ablenkung funktioniert erfolgreich.

Sarah Sophies zweiter Skikurs, Februar 2016, Fieberbrunn
Sarah Sophies zweiter Skikurs, Februar 2016, Fieberbrunn

Am nächsten Morgen trifft sich das skifahrende Kindervolk an der Talstation und die Lehrer sondieren das Können der einzelnen Probanden. Und da ist er der: Der mütterliche Super-GAU schlechthin: Du scheinst alles vergessen zu haben. Schneepflug was ist das? Kurvenfahren unbekannt! Der dazugehörige Skilehrer heißt Daniel und erinnert äußerlich eher an einen RAF-Aufbauhelfer der frühen 70er, wodurch ihn Eure Mutter selbstverständlich unmittelbar ins Herz schließt. Und eben der deutet mit Dir auf die Anfängergruppen am Zauberteppich. „Halt mal Leo!“ sind die letzten Worte bevor Eure Mutter aktiv ins Geschehen eingreift. Also – um das mal zurückhaltend auszudrücken. Leidenschaftlich gestikulierend verteidigt sie Deinen Platz im erweiterten Fahrerfeld der Nicht-Anfänger. Mein Einwand, der besagte Skikurs liegt ja nun auch schon mehr als 13 Monate zurück, kontert Eure Mutter locker aus: „Du hast doch gesagt Skifahren ist wie Fahrradfahren – das verlernt man nicht.“ Das stimmt zwar, bezieht sich allerdings auf Erwachsene mit mehrjähriger Skiabstinenz. Auf solche Spitzfindigkeiten kann aktuell natürlich keine Rücksicht genommen werden und Eure Mutter wird nicht müde die alpinen Erinnerungslücken wortreich aufzufüllen. Hilft aber alles nix, Du gehst in eine andere Gruppe. Die Zustimmung Eurer Mutter pendelt sich auf Gefrierpunktniveau ein. Du bist jedenfalls nicht unglücklich und stapfst mit Deinen neuen Mitstreitern zum Zauberteppich. Alles ist gut und ich verspreche in Zukunft einmal im Monat mit Dir in die Skihalle zu gehen.

Überraschend braucht Eure Mutter auch nur zwei Tage um wieder strahlend mit Leo auf dem Arm im Schnee zu stehen. Irgendwann werde ich jedenfalls darüber informiert, das Sarah Sophie nun doch nicht bei den ganz Kleinen unterwegs ist, ich sie aber gerade nicht sehen könne, da ihre Gruppe zufällig gerade mit dem Schlepplift nach oben gefahren ist. Der Urlaub erfährt seine finale Rettung während ein fröhlich winkendes Kind im rosa Skianzug als Erste ihrer Gruppe den Berg herunter kurvt.

Von nun an möchtest Du auch nicht mehr mit uns zu Mittag essen, sondern spazierst lieber mit Deinem neuen Skilehrer Fabian und Eurer Gruppe ins Restaurant zum „Kinderessen“. Wir werden mal wieder nicht gebraucht. Nebenbei lernst Du dann auch noch ein bisschen Niederländisch. Unser kleines Tiroler Bergdorf erscheint dieser Tage wie ein Vorort von Amsterdam. Egal wo wir hingehen, Oranje ist schon da. Im Lift, auf den Hütten und – wen wundert es – in Deinem Skikurs wird holländisch gesprochen. Ein Junge aus München und Du sind die einzigen Nicht-Holländer und auch Kinderskichef Fabian kommt standesgemäß aus Utrecht. Das nenne ich mal europäisch. Ob im Gegenzug auch österreichische Segellehrer am IJsselmeer anzutreffen sind konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

Sarah Sophies Resümee lautet jedenfalls: „Papa, was spricht man in Österreich nochmal für eine Sprache? (kurze Pause) Ach ja, Holländisch. Aber das ist ja auch ganz schön schwer, daß die da anders sprechen als sie heißen.“

Holland hat also wohl Berge, die stehen eben nur in Österreich.

Tot ziens …

Geschrieben aus Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland.

Der 54./ 2. Monat – Das Pferd zur See muss her

Es ist Zeit für das Finale – und zwar das zur See sozusagen. Leos Babyschwimmkurs startet erst im nächsten Monat, aber Große Schwestern dürfen dort nur zu Kleinen Brüdern mit ins Wasser wenn sie schwimmen können. Also muss das Seepferdchen her und zwar zügig. Eindeutig ein Projekt für Deine Mutter. Selbstverständlich gibt es ausschließlich eine einzige Schwimmschule in Düsseldorf die in Frage kommt. Woher derlei Qualitätsinformation herrührt weiß ich zwar nicht, dafür Eure Mutter umso mehr. Bereits vor einigen Monate habe ich also die Schwimmschule Seifert angerufen, mich gefühlt auslachen lassen ob meiner Nachfrage einer möglichen Kursteilnahme in den folgenden Wochen. Aber in der auferlegten Roadmap Eurer Mutter ist das selbstverständlich einkalkuliert und somit ist die mehrmonatigen Warteliste folglich kein Problem.

Irgendwann bekommen wir einen Anruf und einen Platz. Somit hole ich Dich jeden Freitag bereits mittags im Wald ab und wir juckeln von nun an einige Monate ins Neanderbad nach Erkrath. Die vorstädtische Variante war notwendig um nicht noch länger auf der Warteliste zu versauern. Und hier lerne ich meine Tochter mal von einer ganz anderen Seite kennen. Ich muss mit ins Wasser das ist klar, aber von meinem Arm trennst Du Dich nur unter lautstarkem, brüllenden Protest der mich schon fast an der Sinnhaftigkeit dieses Ansinnen zweifeln läßt – von Deiner sonstigen Selbständigkeit in Form von „Papa, Alleine!“ sind wir Lichtjahre entfernt. Warum weiß ich nicht. Der Engelsgeduld Deiner Schwimmlehrerin sei dank und nach nur drei Wochen steigen wir in den Regelbetrieb ein. Da der Kurs anfangs nur aus drei Kindern besteht, darfst Du Dir solche Allüren erlauben.

Dann – von einem auf das andere Mal – geht alles im Eiltempo. Tiefenentspannt ruderst Du im Froschbeinmodus durchs Wasser und verachtest jedwede Schwimmhilfe: Sicherlich schaue ich wahrscheinlich rein zufällig gehörig hoheitsvoll, wenn ich vor der anwesenden Muttiriege bereitwillig Auskunft darüber gebe wieso Du als Kleinste im Kurs als Erste die Schwimmflügel über Bord bzw. den Beckenrand wirfst. Soweit alles nach Plan, wäre da nicht eine winzige Kleinigkeit die uns vom Frühschwimmerabzeichen (das heißt wirklich so) trennt. Über Wasser alles bestens aber unter die Wasserlinie bekommen Dich keine der sprichwörtlichen zehn Pferde. Nichts zu machen, Dein Kopf weigert sich genauso beharrlich wie dickköpfig das nasse Element von unten zu betrachten.

Was nun folgt ist nicht sonderlich erstaunlich: unsere heimatliche Badewanne wird kurzerhand zum Tauchkübel umfunktioniert und Du verbarrikadierst Dich mit Deiner Mutter zur Flachwasserklausur. Das Ergebnis ist wenig überraschend: völlig stolz verlässt Du irgendwann das Badezimmer um mir mitzuteilen am kommenden Freitag bereitwillig unter Wasser zu tauchen und im Anschluß in einem der üblich-verdächtigen Geschäften Dein versprochenes Geschenk einzulösen. Hoch erhobenen Hauptes verlässt Deine Mutter ebenfalls den Sanitärbereich. Der kommende Freitag dürfte damit nur noch reine Formsache sein, denn Tauchen gehört ab sofort zum selbstverständlichen Freizeitprogramm.

Bleibt die Frage, wie nun Leo in die schwimmende Familienfreizeit zu integrieren ist. Die Lösung kommt – wie so oft – aus dem Osten. Eines Abends steht Deine Mutter strahlend in der Tür und präsentiert eine Art aufblasbare Halskrause die um Leos Hals zu legen ist und es ihm von nun an ermöglicht nahezu frei im Wasser zu schweben. Die Damen des Hauses sind begeistert während meine Hinweise auf ein fehlendes – wie auch immer geartetes – Sicherheitszertifikat als Zentraleuropäer-Papa-Beruhigungsunsinn abgetan wird. Das Produkt funktioniert und fertig. Das Zentralkomitee des Familiensowjet verfügt die Freigabe und das Gerät absolviert einen Badewannentest am Kind.

Väterliche Sicherheitsbedenken verpuffen selbstredend umso schneller je größer die kindliche Partizipation am Objekt ausfällt – und die ist im vorliegenden Fall bei vollen einhundert Prozent angeschlagen: Zum folgenden Schwimmunterricht stolziert eine Große Schwester vorneweg – den brüderliche Schwimmring untergehakt – mit einem dermaßen eloquenten Selbstverständnis ins Wasser das es bildhaft nur so platscht. Die geforderten 25 Meter schwimmst Du vorschriftsmäßig artig ab und das befürchtete Tauchdilemma bleibt einfach mal aus. Seepferdchen bestanden und den orangenen Aufnäher befestigt Deine Mutter stolz an Deinem Lieblingsbadeanzug.

Nun lassen wir also Leo zu Wasser. Unter interessierter Anteilnahme der umherstehenden Badegäste montiert ihr beide Leos Hals in besagte Apparatur und los geht es. Und was in der Badewanne funktioniert, klappt mit Zuschauer nur noch umso besser. Ungefähr das dürftest Du Dir gedacht haben, während Dein Bruder an seinen Beinen durch das Schwimmbecken gezogen wird.

Leos erster Badegang, Januar 2016, Neanderbad Erkrath
Leos erster Badegang, Januar 2016, Neanderbad Erkrath

Du bist in Deinen Element, Dein Bruder freut sich wahrscheinlich einmal nicht an den Armen sondern Beinen herumgefuhrwerkt zu bekommen und Deine Mutter steht im Wasser und erklärt das neue Babybadeprinzip.

Und ich hatte ja schließlich eine Woche Zeit mich an Euer neues Hobby zu gewöhnen.

Herzlichen Glückwunsch zum Seepferdchen meine Große und weiterhin viel Geduld mit Ihr mein Kleiner Kerl.

Geschrieben aus Nizza, Provence-Alpes-Côte d'Azur, Frankreich.

Der 53./ 1. Monat – Mein Leo

Alle meine Freunde und Bekannten, die mehr als ein Kind haben, sind sich dahingehend einig, daß die kindliche Interaktion untereinander das wohl faszinierendste in der Familienerweiterung an sich darstellt. Ich bin also gespannt und – vorneweg gesagt – Dich interessiert es auch herzlich wenig, daß diese Interaktion zunächst eine – altersbedingte – Einbahnstraße ist. Aber der Reihe nach.

Der Geburtstermin Deines Bruders steht unmittelbar bevor und ich bin wahrscheinlich wieder der Aufgeregteste in der Familie. Für Deine Mutter läuft alles nach dem Prinzip: Kenn ich, weiß ich, habe ich schonmal gemacht. Das ist zwar unumwunden korrekt, aber ihre stoische Ruhe gepaart mit diesem unglaublichen Pragmatismus wirkt schon streckenweise etwas gespenstisch. Der meist gehörte Satz der letzten Wochen Deiner Mutter nach einer angebotenen Hilfestellung in welcher Lebenslage auch immer ist wie selbstverständlich: „Ich bin schwanger und nicht krank.“ Die gepackte Reisetasche im Flur eines Abends deutet aber unmissverständlich in Richtung nächtlichen Ausflug Richtung Geburtsstätte (das Wort Krankenhaus finde ich hier unangebracht). Wir erklären Dir, daß Du vielleicht irgendwann einmal aufwachst, Deine Eltern nicht da sind und müssen Dir ganz fest versprechen, daß Oma und Opa aber auf jeden Fall dann bei Dir sind. Wieso Du auf die Idee kommst, wir könnten Dich alleine lassen, wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben – Du äußerst jedoch mehrfach derlei Befürchtungen. Mit dem Oma-Opa-Versprechen gibst Du Dich aber schließlich zufrieden und alles ist gut. Zitat: „Papi, das weiß ich doch alles. Das steht doch genau so im Connibuch. Deinen Eltern glaubst Du also erst wenn es überprüfbar in irgendwelchen Büchern steht. Ob das gelerntes Misstrauen oder ein erstes Anzeichen einer unterstützungswerten, sozialisierten Hinterfragungskultur ist, kläre ich am besten später, denn just an diesem Abend verkündet Deine Mutter, das es wohl heute losgeht.

Jedenfalls stehen Deine mütterlichen Großeltern um zwei Uhr nachts maximal zehn Minuten nach meinem Anruf bei uns auf der Matte um Deine Mutter zur Niederkunft und mich zu den gefühlt untätigsten Stunden meine Lebens zu entlassen. Der Countdown zu Leos Lebensbeginn ist unzweideutig gestartet. Im Kreissaal angekommen gibt es die üblichen Untersuchungen, einen Papierkram den ich unterschreibe ohne ihn zu verstehen und schon werden wir wieder weggeschickt. Der letzte Satz der Hebamme ging so ungefähr in die Richtung: „Geht nochmal etwas spazieren, das hilft!“ Nun tuen sich unweigerlich Parallelen zu Deiner Geburt auf: vor viereinhalb Jahren sind Deine Mutter und ich ebenfalls nächtens stundenlang durch den Klinikpark spaziert, allerdings mit dem geringfügigen Unterschied das damals die Beleuchtung in eben diesem funktioniert hat. Aber da war ja auch Sommer und das Controlling des Hauses hat sich bestimmt gedacht, welcher Depp läuft schon in einer Dezembernacht durch den Park. Es ist jedenfalls stockfinster während wir uns im Zeitlupentempo bemühen nicht vom Weg abzukommen.

Ich mache es kurz: um halb fünf Uhr früh dürfen wir wieder rein und um sieben Uhr sieben ist unsere Familie zu viert und ich so unglaublich erleichtert, daß mir die Aussage Deiner Mutter eine halbe Stunde nach Geburt: „Jetzt habe ich Hunger, wann gibt es Frühstück?“ überhaupt nicht irritierend vorkommt, sondern ich mich mal auf den Weg dorthin mache.

In der Zwischenzeit bist Du aufgewacht und kennst nur eine Frage: „Wann kann ich zu meinem Bruder?“ wie mir Deine Großeltern versichert haben. Da Deine Mutter aber selbstverständlich an alles gedacht hat, gibt es vor dem ersten Klinikbesuch noch kurz eine kleine russische Kinderweihnachtsveranstaltung zu der ich mit Dir und Deiner Freundin Lisa nebst deren Mama gegen Mittag aufbreche. Nachdem dort Väterchen Frost genug Geschenke verteilt hat, fahren wir endlich alle zusammen „Bruder gucken“. Und hier bekommen Deine Eltern und die angesammelte Verwandtschaft schonmal einen Eindruck wie Du Dir in Zukunft unser Familienleben so vorstellst:

Tür auf, alle rein ins Zimmer und Du selbstverständlich vorneweg. Deine Mutter liegt nebst Leo im Bett und Du läßt Dich gerade noch zum Händewaschen überreden und schon sitzt Du mitten mit im Geschehen, Deinen Bruder auf dem Schoß. Meinen Hinweis auf mäßigendes Handeln und erhöhte Vorsicht im Umgang mit einem Neugeborenen entgegnest Du lediglich lakonisch: „Papi, ich weiß, ich muß aufpassen. Aber Leo ist doch schon einen Tag alt und außerdem so süß.“ Ich versichere meinem Sohn mittels direktem männlichem Blickkontakt die Situation unter Kontrolle zu haben. Noch während der ersten schwesterlichen Beschmusungswelle meine ich erkennen zu können, daß ihm das nicht direkt missfällt, was wiederum mich beruhigt. Leo Küsschen links, rechts, vorne, hinten, oben, unten – weil er ja so schrecklich süß ist wie Du mehrfach betonst. „Papi, das ist jetzt mein Lieblingskuscheltier. Noch lieber als Hoppel und Mimi zusammen.“ Bevor ich stellvertretend für Leo sein Recht auf Selbstbestimmung einfordern kann, erläuterst Du kurz das weitere Vorgehen:

„Jetzt darf erstmal ich den Leo auf den Arm nehmen, dann die Mama, dann Lisa, Katja, dann Mira, Irinia und dann wieder ich! Ach so und dann noch der Papa.“ Meine Intervention, mich in der ganzen Aufzählerei unterrepräsentiert zu sehen entgegnest Du lapidar: „Papi, Du schmust Doch immer schon mit mir. Das ist jetzt mein Leo!“

Projekt "Große Schwester": 12.12.2015, Florence-Nightingale Krankenhaus, Düsseldorf
Projekt „Große Schwester“: 12.12.2015, Florence-Nightingale Krankenhaus, Düsseldorf

Ich sehe schon man kann nicht alles haben, aber wenn wir erstmal alle Zuhause sind wird bestimmt alles ganz anders. Das sage ich jetzt erstmal zu mir, dann zu mir und – ach so – dann noch zu Dir.

Herzlichen Glückwunsch zum kleinen Bruder, große Schwester.

Geschrieben aus Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland.

Der 52. Monat – JA!

In Deinem 52. Lebensmonat heiraten wir. Und zwar nicht etwa wir Eltern, sondern wir alle. Mit einer schonungslosen und absoluten Selbstverständlichkeit verkündest Du Deiner Umwelt den anstehenden Familienstandswechsel nicht ohne den vehementen Verweis auf Dein Mittun zum Prozedere. Das besonders putzige ist der Umstand, daß die Heirat für Dich einen Stellenwert an sich darstellt. „Wir sind dann alle drei verheiratet, oder Papi?“ bekomme ich mehr als nur einmal als Frage gestellt. Frage ich dann zurück: „Und was bedeutet das dann danach?“ „Na, Papi dann sind wir verheiratet und jetzt nicht.“ Diese Erklärung reicht Dir skurrilerweise völlig. Kein übliches „Warum ist das so, wieso macht man das so oder so?“ Nichts. Heirat scheint einen Selbstzweck zu erfüllen. Du bist eindeutig eine Frau. Aber wer wollte das auch bestreiten.

Von etwa gleichem Rang in der aktuellen Bedeutungshoheit ist der Vorname Deines zukünftigen Bruders. Deine Mutter und ich toppen die Namensfindung bei Dir gehörig. Bei Dir waren wir uns zumindest einig, daß Du nur einen und vor allem kurzen Namen bekommen solltest. Daß das bekanntlich hervorragend geklappt hat ist unschwer an Deinen beiden Namen zu erkennen. Aber es gab immerhin stets Optionen die uns beiden gefielen. Bei Deinem zukünftigen Bruder sind wir davon weit entfernt um nicht zu sagen: kongruent ist anders. Es gibt nicht eine einzige Alternative die uns beiden zusagt. Der eine ist zu jüdisch, der andere zu deutsch (was bei Deiner Mutter offenkundig synonym mit altbacken interpretiert wird) oder – der Super-GAU – zu christlich. Kurzum wir stecken fest.

Aber nicht lange: denn wie haben ja Dich: Als angehende große Schwester mischt Du fleißig im Namensfindungskarussell mit und kamst sogar irgendwann auf die Idee, das jeder Deinen Bruder anders nennen soll. Sicherlich salomonisch aber wohl weder bei Kind noch Standesamt zu vermitteln. Dann platzt Du aus heiterem Himmel mit drei Buchstaben in unser Dilemma: „Mama, Papa: Wir nennen ihn Leo.“ Zwei Eltern schauen sich verdutzt aber zustimmend an. Also wir brauchen für das Projekt „Kurzer Name“ eben etwas länger – so etwa bis zum zweiten Kind. Seit diesem Tag ist aber klar, Dein zukünftiger Bruder heißt Leo. Das von nun an jeder der es hören möchte oder nicht darüber unterrichtet wird, daß Du den Namen ausgesucht hast versteht sich von selbst.

Doch zurück zur Hochzeit: Am 20. November fahre ich Deine Mutter und Dich früh morgens zum Frisör damit Ihr den maternen Ansprüchen des Tages entsprechen aufgerüstet werdet. Kurz nach elf treffen wir uns alle auf dem Standesamt und das Prozedere nimmt seinen Lauf. Bis zu diesem Zeitpunkt glaubt Deine Mutter noch, das sie demnächst mit „Pick“ zu unterschreiben hat; ich habe da aber mal etwas in die Wege geleitet.

Zur Historie: Wir haben Dir damals meinen Namen gegeben, da ich argumentiert habe, wenn wir irgendwann mal heiraten, brauchen wir nicht extra wieder einen neuen Pass für Dich. Aber in unserer Familie ist ja gerne mal alles ein bisschen anders. Die ordnungsgemäße Anmeldung unserer Hochzeit lief selbstverständlich unter meinem Familiennamen, was Deine Mutter zähneknirschend akzeptiert hat. Und lediglich genau das war mir einfach mal ganz wichtig. Im Vertrauen ist mir unser Familiennamen ziemlich egal und ich finde „Reichmann“ schlägt „Pick“ auditiv um Längen und bevor Rückfragen aufkommen, Doppelnamen stehen und standen niemals zur Disposition. Ach ja, daß wir dann so herrlich jüdisch klingen schadet nach meinem Verständnis auch überhaupt nicht. Und für Deine Mutter mag es reichen, wenn Sie das im Moment der Trauung erfährt – habe ich beschlossen.

Das hiesige Standesamt macht einem genau diesen Umstand prickelnd einfach. Sind zu Beginn des ganzen Formaliendschungel noch Geburtsurkunden und was weiß ich nicht alles im Original nebst Übersetzung beizubringen, genügt für die kleine Namensrotation eine simple Email an die entsprechende Beamtin und die Sache läuft.

Die Überraschung ist ein Volltreffer und das verdutzte Gesicht Deiner Mutter werde ich wohl nie vergessen als der Satz ertönt: „… und sie haben sich gemeinsam nach reiflicher Überlegung für den gemeinschaftliche Familiennamen Reichmann entschieden.“ Nein, haben wir nicht – habe ich ganz alleine, aber es betrifft ja auch nur mich ganz alleine. Damit wäre die ganze Nummer übrigens fast geplatzt, da unsere Standesbeamtin eine offenkundig sehr gewissenhafte Dame ihrer Zunft ist und uns mittels eines förmlichen „… so geht das aber eigentlich nicht.“ kurz und knapp rügt. Da eigentlich bekanntlich aber eben eine Ausnahme eigentlich zulässt und das ganze auch eigentlich im Sinne der Braut ist, ließ sich die Sache noch geradebiegen. Also – eigentlich – problemlos!

Das war es dann auch schon. Kuß, Ringe, Familienphoto und mit der ganze Mischpoke in die Altstadt. Denn der neue Herr Reichmann hat noch etwas beschlossen: gefeiert wird da wo es sich für einen gebürtigen Düsseldorfer gehört – und das ist zweifelsohne die Ratinger und das Füchschen. Da kann mir jeder Luxusitaliener gestohlen bleiben.

Übrigens, für Dich ist Dein neuer Name völlig selbst- und unmissverständlich. Zur Erklärung genügt hier ein einziges Zitat: „Papa; weil wir beide geheiratet haben, heißen wir jetzt wie Mama. Das ist ja auch viel besser so.“ „Warum ?“ „Papa; na weil es doch eben besser ist.“

Noch irgendwelche Fragen an Fräulein Reichmann, geborene Pick?

Geschrieben aus Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland.

Der 51. Monat – Papi, wie geht heiraten?

Deine Mutter und ich sind nun bereits seit gefühlten Jahrzehnten zusammen, kleine Unterbrechungen verlieren sich in unserer beider Wahrnehmung. Fakt ist, seit nunmehr 16 Jahren geht es nicht mehr ohne den anderen und wir haben nun wirklich alles versucht. Nur geheiratet haben wir nie. Ich glaube man kann es ganz nüchtern beschreiben: Es hat sich einfach nicht ergeben. Ich weiß, daß kann nur ein Mann so sehen. Aber erstens bin ich einer und zweitens ist es wie es ist. Punkt. 

Dies zu ändern liegt wohl an mir und das geht bei uns so: Ringe kaufen ist einfach, der Juwelier bei dem meine Eltern schon vorstellig geworden sind betreibt sein Handwerk immer noch und da ich schlicht und ergreifend keinen anderen kenne, bin eben auch ich dann mal dort hinspaziert. Wie man auch nur annähernd durch die angebotene Menge durchblicken soll ist mir unverständlich und so habe ich mich – wie übrigens bei sämtlichen wichtigen Entscheidungen meines Lebens – auf mein Bauchgefühl verlassen und war nach einer halben Stunden mit einer kleinen Schatulle unterm Arm wieder draußen. Nur wo fragt man so etwas eigentlich? Eine der wenigen Sichtweisen Deiner Mutter und mir, in denen wir mal nicht kilometerweit auseinanderliegen ist unsere gemeinsame Begeisterung für Berlin. Das mag damit zusammen hängen, daß wir dort jeder viele bunte Jahre zugebracht haben, vor allem aber zusammen das Studium Deiner Mutter dort gemeinsam durchlebt haben.

Es muss also Berlin sein: Ein Open-Air-Event in der Spandauer Zitadelle scheint mir eine gelungene Location für dieses Unterfangen zu sein. Das ging dann selbstverständlich gehörig daneben, da es an dem angedachten Juliwochenende gemütliche 40 Grad in Zentraleuropa hatte und wir uns, darauf basierend, für ein – dann allerdings ebenfalls suboptimal verlaufendes Alternativprogramm an der Nordseeküste entschieden haben. Die heldenhaften Planungen meinerseits in dieser Richtung habe ich bereits offenbart.

Zweiter Anlauf eine Woche später ebenfalls in Berlin nur ohne Konzert. Einen Tisch im schummerigsten arabischen Restaurant habe ich gerade noch mit viel Überzeugungskraft ergattert. Übrigens, einem gestandenen ägyptischen Gastronom zu erklären, daß ein jüdisches Mädchen nur in genau seinem Restaurant mit der einzigen Frage konfrontiert werden kann, die man nur einmal im Leben mit Ja beantworten sollte, macht in Berlin eben Spaß und vor allem: Es funktioniert. In dem ausgebuchten Laden zaubert er ganz souverän noch einen Tisch und garantiert mir, er werde sich persönlich um alles kümmern. 

Diesmal könnte es also klappen. Der Babysitter hat dann eine Stunde vorher abgesagt und es gab abends Brathähnchen auf der Couch. Auch schön – vielleicht sollen wir einfach nicht heiraten.

Beim dritten Versuch zwei Monate später habe ich mich dann für „Form follows function“ entschieden und wir sind ganz einfach in Düsseldorf schick Essen gegangen, Du bist bei Oma und Opa und das Thema ist vor dem Dessert durch. Im November wird geheiratet, und zwar genau am Zwanzigsten, dem Tag an dem Deine Mutter und ich vor 16 Jahren mit einer Flasche Taittinger in einer Prager Badewanne beschlossen haben zusammen zu bleiben. Somit ist die Geschichte rund.

Dir bleibt dieser Umstand natürlich nicht ganz verborgen und irgendwann im Oktober fragst Du mich verständlicherweise: „Papi, was ist heiraten und wie geht Hochzeit?“ Die übliche Antwort in Richtung „Wenn Mama und Papa sich ganz doll lieb haben, heiraten sie, bekommen Kinder und bleiben für immer zusammen.“ macht wenig Sinn, denn dann wären Deine Mutter und ich bekanntlich seit Jahren unter der gemeinsamen Haube. Der bestimmende Pragmatismus Deiner Mutter rettet einen erklärungsbedürftigen Vater.

„Wenn man heiratet, dann kaufen sich die Mädchen ganz schöne Kleider, eine Frau fragt ob man immer zusammenleben möchte, dann gibt es Geschenke und schließlich fahren wir alle in ein Schloß.“

Das verstehst Du sofort und resümierst entsprechend: „Papi, wir heiraten: erst kaufen wir mir ein ganz schönes Kleid, dann bekomme ich Geschenke und wir fahren in den Schlossurlaub – so geht heiraten: weißt Du?!“ Ich bestätige Deine Aussage vollumfänglich und frage höflich bei Deiner Mutter nach wie sich die Schlossgeschichte genau verhält. Eloquente Antwort: „Nächste Woche kaufe ich mit Sarah Sophie unsere Kleider, da kannst Du ja eh nicht mit. Dann hast Du ja Zeit ein romantisches Schlosshotel zu finden.“

Zwei Dinge haben mich dann übrigens nicht weiter überrascht. Eure Hochzeitskleider haben wir zufällig in Berlin gekauft und das Schlosshotel steht selbstverständlich in Frankreich.

Ich glaube, wir können einfach nicht anders. Aber wenn heiraten nunmal so geht.

Geschrieben aus Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland.

Projekt Große Schwester läuft an: Leo ist da.

Der 12.12. klingt schon rund, aber jemand dachte sich 7.07 Uhr paßt ganz gut dazu.

Leo Gabriel ist in unserer fröhlichen, vagabundierenden Familie angekommen und wird zusammen mit seiner großen Schwester beweisen müssen, daß man mit einer Mutter aus der Beratung sowie einem Vater aus der Werbung nicht zwangsläufig im Chaos enden muß.

Wir arbeiten daran.

Geschrieben aus Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland.

Der 50. Monat – Aber nur geliehen!

Eines der schönsten Rituale die Du erfunden hast ist die allabendliche Kuscheltierverteilung. Irgendwann hast Du beschlossen, daß weder Deine Mutter noch ich – Du selbstverständlich ohnehin nicht – einer entspannten Nachtruhe entgegen sehen können wenn wir nicht jeder zumindest ein Kuscheltier mit ins Bett nehmen dürfen. Das geht jetzt bereits Jahre jeden Abend recht unspektakulär über die abendliche Gute-Nacht-Bühne bis schließlich Mascha bei uns einzieht.

Mascha ist eine Puppe, die Du Deiner Mutter irgendwann während irgendeines Ausfluges wie man so schön sagt „aus dem Kreuz geleiert“ hast. Mascha war dann kurzfristig interessant, verschwand aber zügig im unteren Bereich der Kuscheltierkramkiste um sich dort mit anderen vergessenen Gesellen ihrer Zunft zu arrangieren. Heißt: Sie wurde missachtet.

Je prominenter nun aber die Sichtbarkeitswerdung Deines zukünftigen Bruders im Zuge der zweiten Schwangerschaft Deiner Mutter voranschreitet, desto wichtiger wird Mascha. Und selbstverständlich sprechen wir hier nicht von einer schleichenden sondern abrupten Einsicht in die Notwendigkeit Mascha aus der Versenkung zu holen. Irgendwann war es dann eben so weit und Mascha war (wieder) da – und zwar omnipräsent um es mal vorsichtig auszudrücken.

Von nun an wird Mascha zum Essen geschleppt, muss beim Zähneputzen zuschauen und bekommt jeden Abend hingebungsvoll das Bett gemacht. Hierzu dirigierst Du mich ins Badezimmer, suchst Dir ein bestimmtes Handtuch aus (wir haben übrigens ausschließlich weiße Handtücher), läßt es Dir von mir herunterreichen und wickelst Mascha darin ein, deckst Sie mit einer kleinen Decke zu und konstruierst Ihr aus täglich variierenden Materialien ein Kopfkissen zurecht. Nur die Decke muss jeden Tag ein anderes Handtuch sein – darauf bestehst Du und ich spiele mit.

Selbstredend bekommt auch Mascha ein Kuscheltier zur Nacht gereicht und da verliere ich dann schonmal gnadenlos: „Papi, Du must das verstehen, die Mascha ist ja noch so klein die braucht heute das Schäfchen. Du bekommst es dann morgen wieder.“ Widerspruch zwecklos und unerwünscht. Mascha bekommt also das Schaf, Du die Katze Mimmi und ich habe heute einfach mal Pech gehabt. Passiert und wird, zumindest meinerseits kommentarlos hingenommen. Aber eben nur von mir. Alle Tiere bekommen Gute-Nacht-Küsschen, wir beide umarmen uns und wünschen uns gegenseitig Gute Nacht. Alles wie immer. Du schläfst ein und alles ist gut – so ungefähr eine Stunde lang. Dann ertönt völlig unvermittelt der Ruf nach väterlicher Präsenz in Deinem Kinderzimmer, Du bist hellwach und erklärst mir, das wir nun ganz leise sprechen müssen, da Mascha bereits schläft, Du es aber nun versäumt hast mir ein Kuscheltier zu geben, ich in der Folge also nicht schlafen kann, somit morgen früh nicht wach werde und Du wiederum dann nicht in den Wald kannst!

Das nenne ich mal eine Assoziationskette – Respekt!

Dieser unhaltbaren Situation versuche ich nun wiederum die Schärfe zu nehmen und entgegne ein verständnisvolles „Das ist nicht so schlimm. Ich kann auch ohne Tier schlafen.“ „Aber Papi, jeder muss ein Tier haben, das weißt Du doch.“ bekomme ich von Dir retour. Mit diesen Worten kletterst Du aus Deinem Bett, zupfst Maschas Decke noch etwas zurecht und spazierst zum Kuscheltierreservoir. Nun hebst Du verschiedene Deiner Kuscheltieren in die Höhe, fragst flüsternd ob ich dieses oder jenes haben wolle und ignorierst konsequent meine Bejahung eines jeden Deiner Angebote.

Schließlich kommst du wieder zurück, gibst mir einen Kuß und empfiehlst mir selbst ein Tier auszusuchen und zwar so: „Papi, Du gehst ja noch nicht schlafen. Wenn Du müde bist, holst du Dir selbst ein Tier, aber Du musst sehr leise sein, denn ich schlafe dann ja schon.“ Ich gelobe feierlich völlige Schweigsamkeit und geleite Dich ins Bett zurück. „Papi, was ist Dein Lieblingstier?“ fragst Du noch in meine Richtung. Da ich weiß, daß Du in solchen Situationen sowieso nicht aufhörst zu fragen, bis Du eine zufrieden stellenden Antwort erhältst, luke ich in Dein Bett um nicht ein dort liegendes Tier zu nennen und habe unglücklicherweise vergessen das die Katze Mimmi ja in Dein Bett gewandert ist und antworte „Die Katze Mimmi“. „Oh schade, Papi die Mimmi schläft hier unter meiner Decke, die kann ich jetzt nicht aufwecken.“ bedauerst Du die Notwendigkeit Mimmi in Deinem Bett zu belassen und beendest zu meiner großen Verwunderung unsere nächtliche Flüsterstunde. Du wickelst meine Hand unter Dein Gesicht und schläfst nach ein paar Minuten wieder ein. Ich warte noch eine Weile und entrolle dann meine Hand von Deinem Gesicht und verlasse das Kinderzimmer.

Gut eine Stunde später bist Du schon wieder wach und erkundigst Dich welches Tier ich denn nun ausgesucht hätte. „Noch gar keins.“ entgegne ich. „Dann kannst Du doch die Mimmi haben.“ kommentierst Du gönnerhaft die Katzenübergabe.

Zum finalen Ende unserer heutigen Kuscheltierverteilung hebst Du Deinen kleinen Zeigefinger und ermahnst mich nachhaltig: „Aber Papi, nur geliehen! – Selbstverständlich meine Große.“

Ach so: Wach geworden sind wir in dieser Nacht nur noch einmal: Da standest Du dann mit Deiner Decke und allen Lieblingskuscheltieren vor meinem Bett und meintest es wäre besser wir würden heute Nacht alle zusammen in meinem Bett schlafen.

Wahrscheinlich hätte Mimmi sonst Heimweh, oder sowas – aber das ist nur eine Vermutung. Mascha war da übrigens nicht dabei, die hat leider gegen Mimmi verloren – Passiert und ist nicht weiter schlimm, wie gesagt. Ich weiß das ganz genau.

Gute Nacht, meine Große.

Geschrieben aus Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland.