posted by on Das sechste Jahr, Von Geburt an

Es ist soweit: Sarah Sophies Waldkindergarten-Zeit geht zu Ende. Drei Jahre, welche wahrscheinlich zu den schönsten Deines Lebens gehören sind einfach vorbei. Mit dem Pragmatismus meiner Tochter kann ich nicht zwar nicht ganz mithalten, aber mit Deiner Aussage: “Papa, Wald ist gestern, heute ist Urlaub und morgen ist Schule.” umschreibst Du unsere aktuelle Lebenssituation komprimiert durchaus treffend. Aber als ich Dich nach der üblichen Waldübernachtung des Abschlussjahrgangs morgens abhole und mir Deine gesammelten Werke, Forscherbücher und eine Fotomappe der vergangene Jahre überreicht werden, habe ich ziemlich nah am Wasser gebaut. Das gebe ich hier ganz offen zu und sieht man mir wohl auch an. Jedenfalls nimmt mich unser Waldhäuptling Erica fest in den Arm und versucht mich aufzumuntern: “Ihr seit ja nur ein Jahr weg, dann bringst Du doch Leo.” Das stimmt nun auch wiederum und es hilft ja auch alles nix, für Sarah Sophie beginnt ein neuer Lebensabschnitt und da muss der alte wohl zwangsläufig weichen. Schön wars, Ende, Abspann und aus. Punkt!

Die letzten Tage vor dem Urlaub verbringt Sarah Sophie auf der Ponywiese und eigentlich wollten wir am Wochenende davor Freunde an der Ostsee besuchen, Ihr beide mit Eurer Mama am Montag früh von Hamburg in die Ukraine fliegen, damit ich Euch dann am darauffolgenden Samstag mit dem Campingbus in Bologna am Flughafen einsammeln kann und wir alle gemeinsam in Livorno auf die Fähre nach Korsika gehen. Soweit der Plan, klappt aber nicht, weil sich erst Leo mit Fieberkrämpfen, Bewusstlosigkeit und dem ganze daranhängendem Tamtam ins Krankenhaus und danach in die beliebte Kinderkrankheit “Hand-Fuß-Mund” verabschiedet um einen Tag später auch Sarah Sophie damit anzustecken. Eure Mutter storniert Flüge, Hotel und Kindermädchen und erklärt den Ukrainern eine unabänderliche Terminverschiebung.

Sarah Sophies größte Sorge ist, daß nun der avisierte Urlaub ausfallen könnte, da sie bereits bei mir den Kauf eines Kinderschlauchboots ausgehandelt hat und für Leo mittels mehrmaligem Herumsuchen in der Garage die geeignete Auswahl an aufblasbaren Gummitieren zusammengestellt hat. Am Montag gibt der Kinderarzt grünes Licht, sofern bis Mittwoch bei Sarah Sophie keine Verschlechterung auftritt und Leos bunte Pusteln nicht weiter zunehmen. Der Countdown läuft somit und Sarah Sophie steht ungefähr zwanzigmal am Tag vor dem Spiegel und beäugt sich akribisch, um anschließend wieder bei Leo jeden Ausschlagspunkt zu zählen. Wir haben Glück und offenbar zwei robuste Kinder mit denen wir am Donnerstag-Abend in Richtung Süden aufbrechen können.

Auf der Insel brauchen wir auch nur zwei Strandbuden und einen Supermarkt um das geeignete Wassergefährt zu finden mit dem Sarah Sophie von nun an fröhlich jeden Tag umherpaddelt. Leo entdeckt in der Zwischenzeit das zur Verfügung stehende Ensemble der schwesterlich zusammengestellten Gummitiere und auch hier gilt: je größer desto besser. Bei dem Delphin klappt das Beklettern zu Lande zwar wunderbar, im Wasser erweist sich das Getier aber doch als recht unhandlich und nach dem dritten unfreiwilligem Tauchgang schleppst Du kopfschüttelnd und unaufhörlich “Nein, nein, nein, …” brabbelnd das Spielzeug an den Strand.

In diesen Tagen stelle ich erneut fest, wie völlig angstbefreit Du bist. Schwimmen kannst Du naturgemäß natürlich noch nicht, aber das Element an sich findet Deine volle Zustimmung. Auch wenn Du mal wellengeschuldet umfällst, prustend nach Luft schnappst, ganz egal sofort wieder ab ins Wasser. Mittlerweile hast Du verstanden, daß Dich die lustigen roten Dreiecke an Deinen Armen über Wasser halten und Du dennoch mit den Beinen für genügend Vortrieb sorgen kannst. In Kombination mit Fridolina, dem grünen Krokodil Deiner Schwester, schaukelst Du jedenfalls begeistert durch den Seegang.

Leo und Fridolina, Korsika, F & Chiemsee, D, August 2017

Leo und Fridolina, Korsika, F & Chiemsee, D, August 2017

Wieder an Land äußert sich Dein ausgeprägter Wille dann schon mal etwas rustikal wie aktuell immer wieder zu beobachten: Du teilst bereitwillig Dein Sandspielzeug mit anderen Kindern, forderst das allerdings ebenso von den anderen ein. Ist dem dann mal nicht so, wird schonmal Dein Gegenüber mit der Schüppe traktiert und wenn Deine Schwester es wagt die Spielzeug-Eishörnchen an sich zu nehmen, bekommt sie gerne den Eimer in Richtung Kopf geschleudert. Alternativ sind wahrscheinlich lange Haare einfach dazu gemacht um daran ziehen zu können. Kurzum, in diesem Urlaub arbeite ich an Deinem Sozialverhalten mit Hochdruck.

Beruhigend sind glücklicherweise die meisten Reaktionen auf Seiten der Eltern der von Dir malträtierten. “Das geht vorbei. Jungs sind eben so.” ist der meist gehörte Satz am Strand. Das will ich gerne glauben, aber beeil Dich gefälligst mal ein bisschen damit mein kleiner Rabauke. Mir gehen langsam die Entschuldigungen aus.

Geschrieben in Chiemsee, Bavaria, Germany.

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Leo entdeckt die Tierwelt für sich. Und zwar nicht etwa den nicht unbescheidenen Kuscheltiervorrat seiner Schwester, nein je größer und lebendiger desto besser. Dies gepaart mit Deinem schier grenzenlosen, vollständigem Ausbleiben des Gefühl Angst, läßt uns Eltern schon mehr als ein Mal zusammenzucken wenn man nicht schnell genug bei dem Halter des freundlich dreinblickenden Schäferhundes nachfragen kann, ob der Hund bestreichelbar ist oder eben nicht.

Ach was heißt hier streicheln, gerne umarmst Du Hunde die auch mal einen Kopf größer sind als Du selbst vollständig und denkst Dir so ein Schwanz ist bestimmt als eine Art Haltegriff konstruiert. Mittlerweile habe ich Dir gefühlt eintausend Mal erklärt, daß man nicht einfach jeden Hund in oder unter den Arm nehmen kann, weil der das unter Umständen weniger begeistert aufnimmt als Du selbst. Hilft aber bis dato überhaupt nicht und ich bin sehr dankbar bis heute kinderkompatiblen Vierbeinern begegnet zu sein.

Sarah Sophie hat so ihre eigene Art entwickelt mit der neuen brüderlichen Tierliebe umzugehen. Eines Tages – Leo ist gerade nicht da – brauchst Du unbedingt unaufschiebbar sofort irgendeine Kiste, die ich Dir glücklicherweise auch beschaffen kann um dann zusehen zu dürfen, wie Du Deine beiden Kuscheltiertruhen auf den Boden entleerst um anschließend in einer Seelenruhe eine hübsche Sammlung in besagte Kiste umzusortieren. Mit gekonnt gönnerhaftem Blick schiebst Du diese dann von Deinem in Leos Zimmer und verkündest mir voller Stolz, daß das jetzt Leos Kuscheltiere sind, Du sie ihm schenkst, damit der kleine Bruder damit schon mal das Kuscheln mit den echten Tieren üben kann. Entzückende Idee wie ich Dir bestätige, erziehungspraktisch aber wohl eher kontraproduktiv. Am Abend wird Leo dann allerdings dann auch jedes einzelne Tier aus seiner neuen Tierkiste persönlich von der Schwester überreicht inklusive detailreicher Erläuterungen zu Art und Gattung. Gekuschelt wird damit übrigens nicht, wieso auch, die laufen ja nicht weg.

Doch zurück in Leos Tierwelt.

Der gibt sich nicht mehr mit großen Hunden zufrieden, sondern hält gekonnt Ausschau nach noch Größerem. Da das diesjährige Sommerfest des Arbeitgebers Eurer Mutter unter dem Motto “Rodeo” steht und neben dem zu erwartenden elektrischen Bullen mit Hilfe dessen sich die Großen zum Kasperl machen dürfen, es auch Ponyreiten im Firmengarten für den Beraternachwuchs im Angebot gibt, ist klar wohin die Reise gehen dürfte. Leo erscheint es völlig unverständlich wieso er nach nur drei Runden den Platz auf dem Ponyrücken wieder räumen soll, wo er sich offenkundig da oben prima arrangiert hat. Und an der Stelle ist es dann doch von Vorteil ein eineinhalbjähriger stetig grinsender Junge zu sein, jedenfalls wickelst Du die Pony-führenden Mädels damit vollständig ein und im Prinzip verbringst Du den gesamten Nachmittag zu Pferde.

Leos entdeckt die Ponys, Düsseldorf & Köngen, D, Juli 2017

Leos entdeckt die Ponys, Düsseldorf & Köngen, D, Juli 2017

Allmählich mache ich mir dann doch Gedanken was als nächstes kommt. Ich kenne nämlich niemanden mit einem Haustierelefanten in der näheren Umgebung. Macht aber nix, regelst Du ganz alleine und zwar auf der Geburtstagsparty Deiner Schwester.

Die findet auch in diesem Jahr wieder auf Ihrer heiß geliebten Ponyfarm statt und hier hat wohl jedes der älteren Mädels, welche hier aushelfen einen Hund und die sind auch alle da. Und schlagartig sind nun die kleineren Hunde Leos Objekt der Kuschelbegierde nachdem Du verstanden hast, das sich Bibbi und Co. auch noch prima umhertragen lassen wenn Du stoisch versuchst alle Hunde einer Größenabteilung in eine Reihe aufzustellen. Ganz schön tierisch eigensinnig das hier Deinen Anweisungen nicht gefolgt wird. Interessiert Dich aber nicht weiter, versuchst es eben nochmal.

Ein paar Tage später waren wir bei Freunden in Berlin und Leo hat wieder eine neue Kuscheltierfavoritin mit passenden Namen. Lea und Leo toben jedenfalls gerne gemeinsam durch den Garten. Lea ist übrigens ein ungarischer Kuvasz und nicht gerade zierlich.

Es geht also wieder größenmäßig nach oben. Aber auf Kamelen läßt sich ja auch trefflich reiten.

Geschrieben in San-Giovanni-di-Moriani, Corsica, France.

posted by on Das fünfte Jahr, Von Geburt an

Wie in jedem Jahr beschert uns der Juni einige “lange” Wochenenden, da wir natürlich grundsätzlich einen Feiertag am Donnerstag mittels Brückentag am Freitag zu einem ebensolchen umfunktionieren. Diesmal nur mit der kleinen Einschränkung, daß Eure Mutter zumindest an einem dieser Wochenenden mal wieder mit Leo in der Ukraine umhergeistert und somit Sarah Sophie und ich uns allein ein geeignetes Ausflugsziel suchen müssen. Vier Tage zuhause, geht bei uns selbstverständlich gar nicht. Es geht zum Leukermeer in Holland.

Und es gibt eine Besonderheit: Wir sind nicht alleine. Deine Freundin Elisabeth samt Ihrer Mutter Katja kommt mit. Platz haben wir ja genug, das ist nicht das Problem, aber wer Katja kennt, kann sich viel vorstellen – ein Campingplatz gehört aber nicht unbedingt dazu. Cocktailbars, Crevettenhäppchen oder ausgedehnte Shoppingtouren durch die bekannten Luxusboutiquen dagegen schon eher. Ich frage noch einmal zur Sicherheit nach, die beiden sind aber fest entschlossen. Zur Historie muss man noch dazu sagen, daß die zwei bereits bei unserem letzten Skitrip im März eigentlich mit wollten, das ganze aber an fehlenden Schulferien von Elisabeth gescheitert ist. Das ganze ist zudem eine Idee Eurer Mutter was wiederum bei meinen Kumpels ein völlig erstauntes “Mit wem schickt Dich Helena in den Urlaub?” hervorruft. Die männliche Übersetzung für: “Ja, Katja ist sehr attraktiv und allein erziehend!”

Ausflug mit Katja und Elisabeth, Leukermeer, NL, Juni 2017

Ausflug mit Katja und Elisabeth, Leukermeer, NL, Juni 2017

Die Eckdaten sind somit klar und am Mittwochnachmittag stehen wir mit unserem Campingbus vor Elisabeths Schule um zu viert und einige Prada-Schühchen nebst Gucci-Täschchen zum campen zu fahren. Natürlich habe ich eine Kiste passenden Prosecco dabei, wir wollen ja auch unsere Klischees hegen und pflegen.

Fauxpas Nummer eins leiste ich übrigens höchstpersönlich ab, da mir Eure Mutter zwar mehrfach gesagt hat, wann Elisabeth Geburtstag hat, ich aber natürlich nix behalte und somit an besagtem Mittwoch wie ein Vollhorst vor einem an diesem Tag gerade neun Jahre alt gewordenem Mädchen stehe, die mich auch erst nach einer Stunde fragt, warum ich Ihr denn nicht gratulieren würde. Da hilft auch keine gutgemeinte Entschuldigung mehr und Sarah Sophie setzt noch einen drauf: “Papa, hast du denn jetzt etwa auch das Geschenk für Elisabeth vergessen. Ich wollte ihr doch das Kleid mit den Blumen schenken. Das habe ich extra mit Mama für sie gekauft.”

Mittlerweile gucken mich vier Kinderaugen erstaunt an und ich erwäge die Selbstauflösung.
Kommt aber noch besser: “Elisabeth, Du musst entschuldigen, mein Papa ist so ein guter Vergesser, der macht das immer, kann aber nix dafür. Der ist halt so.” läßt mich meine Tochter im Regen stehen.

Katja rettet mich und deklariert kurzerhand den Ausflug zum Geburtstagsgeschenk womit sich die jungen Damen zufrieden geben. Ich kaufe Eis und entkorke eine Flasche. Ausflugsstart mit kleiner Holprigkeit geglückt.

Das Wochenende ist ein voller Erfolg, das Wetter traumhaft und der Sonntagnachmittag viel zu früh erreicht. Wir haben unsere Campingnachbarn sichtlich irritiert, alle vorhandenen Klischees und möglichen Vorurteile einer internationalen Patchwork- und auch eben wieder nicht Familie wie ich glaube zu einhundert Prozent erfüllt, die Damen haben sich jeden Tag mindestens vier mal umgezogen damit man zu jeden passenden Anlass auch korrekt gekleidet war und ich bestätige hiermit uneingeschränkt wie elegant eine Pradatasche zum Duschhäuschen getragen werden kann.

Und Sarah Sophie gibt offiziell bekannt, die beiden das nächste Mal wieder mitzunehmen. Dann aber nur mit ihrem Hund. Der paßt auch noch in eine solche Geschichte. Er heißt Gucci und paßt größenmäßig in die dazugehörige gleichnamige Tasche. So machen Klischees doch mal Spaß.

Geschrieben in San-Giovanni-di-Moriani, Corsica, France.

posted by on Das fünfte Jahr, Von Geburt an

Leo wird von Tag zu Tag selbstständiger, versteht schon vieles in beiden Sprachen und entwickelt eine putzige Vorliebe für Musik. Aber nicht für irgendwelche Musik, oder gar die üblichen verdächtigen Kinderlieder, nein er pocht vehement – und hier meine ich wirklich vehement – auf ein einziges Album eines israelischen Projekts. Da hab ich ihm nicht eingetrichtert sondern Leo hört eins Tages einen Track besagten Albums, beginnt unverzüglich ein wenig umherzutanzen und zeigt nach Ablauf des Stücks wild gestikulierend auf mein Telefon in der Dockingstation, offensichtlich verstehend, daß hier der Quell der Musik liegt. Lautstark “Da, da, da, …” brabbelnd fordert er seinen ganz persönlichen Loop.

Selbstverständlich habe ich versucht ihm alternative Musik anzubieten, aber nix da, außer “Quarter to six” des “Idan Raichel Project” geht da gar überhaupt nichts. Im Auto übrigens das gleiche. Wir bringen Sarah Sophie zuerst in den Wald und pünktlich zum Wiedereinstieg ins Auto auf dem Weg in Leos Kindergarten das immer gleiche Spiel. Ohne Herrn Raichel vollständige kleinkindliche Missbilligung, mit ihm alles bestens und ich habe ein fröhlich grinsendes Kind auf dem Rücksitz hocken. So juckeln wir tagtäglich mit hebräischer Musik gen Kücken-Kindergarten. Wie vollends politisch korrekt für einen jüdischen Jungen. Und es wird Dir auch nicht wirklich langweilig, ganz im Gegensatz zu Sarah Sophie die allmählich meschugge wird ob der immer wieder gleichen Mucke. Hier hilft nur eine salomonische Musikteilung in Form von “ein Stück von der Großen”, “ein Stück für den Kleinen.” Das allerdings auch Sarah Sophie allmählich Ihre, sich wiederholenden Musikpräferenz besitzt, blendet meine Tochter aber gerne mal aus. So verbringen wir schonmal ganze Tage zwischen dem kleinen Tanzbären und Chaim Pshutim. Hebräisch hebt sich Sarah Sophie wohl für die Schule auf, musikalisch bist Du da auf klassischem deutschsprachigem Kinderliedkurs. Nebenbei bemerkt, finde ich das von der Warte besonders interessant, da Du Kinderfilme nahezu ausschließlich auf russisch anschaust, beim Liedgut bist Du aber stramm deutsch.

Musikalisch gibt es also bei Euch beide folglich noch genügend Entwicklungsspielraum nach oben, das beruhigt.

Leo entwickelt dieser Tage aber noch eine weitere Eigenheit die bei den mütterlichen Großeltern wahre Begeisterungsstürme auslösen läßt und das geht so:

Fragt man ihn nach irgendetwas, was er holen soll oder wo etwas bestimmtes ist, läuft er dorthin und findet nicht sogleich was er sucht, dreht er die Handflächen nach oben, zieht die Schultern hoch, schaut einen mit weit aufgerissene Augen sehr fragend an und gibt ein leidensvolles “Ohhhhhhhh” von sich. Ich kann mich lange nicht erinnern eine so freudige Schwiegermutter gesehen zu haben. Nach dem ersten dieser Darbietungen schnappt sie sich jedenfalls ihren Enkel drückt ihn beherzt an sich und strahlt über das ganze Gesicht mit den Worten: “Er ist wahrhaft ein jüdischer Junge, seht Ihr die Handbewegung.”

Leo wird ein bisschen jüdisch, Mai 2017

Leo wird ein bisschen jüdisch, Mai 2017

OK, das Ganze sieht wirklich entzückend aus aber was daran nun so jüdisch sein soll kann wahrscheinlich eben nur eine jüdische Großmutter beurteilen. Sie ist jedenfalls vollends aus dem Häuschen, wie man so schön sagt. Nachdem die Großeltern in den folgenden Tage auch einmal Zeuge der neu entwickelten Musikleidenschaft meines Sohnes werden klopft mir mein Schwiegervater gefühlt auf die Schulter und fragt mich sichtlich wohlwollend “Er hört hebräische Musik? Wunderbar, das kann nur gut sein!”

Das ganze hat sich übrigens mittlerweile schon bis nach Israel herumgesprochen. Ich bekomme regelmäßig musikalische Empfehlungen von Freunden aus Tel Aviv gemailt. Vielleicht versuchen wir es jetzt mal mit Punkrock und ich frage mal unverbindlich nach: “Leo, wollen wir die Hosen hören?” Na ja, die Reaktion kann sich jetzt ja jeder denken.

Geschrieben in San-Giovanni-di-Moriani, Corsica, France.

posted by on Das fünfte Jahr, Von Geburt an

Eure Mutter und ich sind zwar schon jahrelang zusammen – mit kleineren Aussetzern gut und gerne rund 17 Jahre, aber bekanntlich erst seit November 2015 verheiratet oder anders ausgedrückt kurz vor Leos Geburt offiziell verbandelt. Das hierzu anstehende Fest findet nun in diesem Monat statt, da das Ende von Leos Stillzeit abzuwarten war, denn wer hätte sonst den ganzen Aperol trinken sollen.

Irgendwie stand immer fest, das ein solches Fest nur in Italien stattfinden soll und so haben wir uns auf dem Rückweg unserer zweiten Eltenzeit im vergangenen Jahr ein geeignetes Objekt in der Nähe von Ancona ausgeguckt, angezahlt und beim Winzer um die Ecke schonmal zwanzig Kisten Wein bestellt. Eure Mutter hat die Zimmerverteilung ein Duzend mal umgestrickt, den Caterer an seinem Beruf zweifeln lassen und ansonsten innigen Kontakt mit Beatrice und Massimo, den beiden Verantwortlichen vor Ort, via Telefon und Mail gehalten. Kurz, alles war gut, alle glücklich.

Bis zu diesem einen Tag:

Eines Nachmittages klingelt das Telefon und Eure Mutter – überraschend gerade in der Ukraine – teilt mir mit, daß wir das Haus nicht bekommen können, sie das bereits seit heute früh weiß und wir sind gemeinschaftlich glücklich auf Grund der Annahme, Massimo und Beatrice verstehen gewiss keine russischen Schimpfwörter.

Eine eifrige, italienische Provinzpersonalie hat per Dekret verordnet, die angemietete, bestätigte Villa öffentlichkeitswirksam lokalen Erdbebenopfern zur Verfügung zu stellen, da die beauftragten, örtlichen Bauunternehmen dummerweise nicht rechtzeitig mit der Häuser-Instandsetzung fertig werden. Zur Historie: Zu Beginn des Jahres gab es hier in der Gegend ein Erdbeben welches einige Häuser unbewohnbar gemacht hat. Das mache aber alles gar nichts, meint Beatrice, denn sie hätte ein prima Wellnesshotel im Nachbarort an der Angel, da könnte sie uns problemlos unterbringen und die eigentliche Party würde sie dann trotzdem in der Villa ausrichten, denn das ginge in dem Hotel nämlich als Platzgründen eben nicht. Die Bewohner werde sie dann für diesen Tag ausquartieren und alles sei doch gut.

Wohin sie die armen Leute an diesem Tag dann hinbugsieren möchte wird wohl ihr Geheimnis bleiben, genauso wie die Antwort auf unsere Nachfrage, wie das denn dann bitte mit den nicht wenigen, kleineren Kindern von uns und unseren Gästen abends funktionieren solle. Gefühlt fragendes Gesicht am italienischen Ende der Telefonleitung. Meinen Vorschlag doch einfach die Erdbebengeschädigten die ganze Zeit in besagtes Hotel zu platzieren scheitert an irgendeiner Regulative.

Ich lege an dieser Stelle gesteigerten Wert darauf, das es uns völlig fern liegt Menschen, die derzeit nicht gerade wenig zu meistern haben aus selbstsüchtigen Gründen ein zweites Mal das Dach über dem Kopf zu entreißen aber so ein ganz klein wenig fühle ich mich auch unseren Gästen mit gebuchten Flugtickets und überstandenem Visa-Wahnsinn verantwortlich. Wir nehmen es also sportlich und suchen sieben Wochen vor Termin irgendein Landhaus für 50 Leute nicht zu weit vom Flughafen Ancona entfernt mit einer Küche die dem Caterer genügt. Das ganze findet gewöhnlich dann abends in einer Art ukrainisch-italenisch-deutschen Konferenzschaltung aus Skype und Mail statt.

Zwischendurch haben wir beinahe ein geeignetes Objekt, stellen aber bei der Zimmerverteilung fest, irgendjemanden ausladen zu müssen oder über Etagenbetten nachzudenken, was uns beides nicht probat erscheint. Zwischenzeitlich halten mich wahrscheinlich ein Großteil unserer Gäste für komplett meschugge, da ich eine ganz simple Nachfrage schlicht nicht beantworten kann: “Du mußt uns noch die genaue Adresse gebe.” “Ja, würde ich gerne – habe ich nur leider selbst nicht.”

Hochzeitsparty, Apeccio, IT, April/ Mai 2017

Hochzeitsparty, Apeccio, IT, April/ Mai 2017

Irgendwann steht die ganze Sache, aus einem sind zwei Häuser und ein Hotel geworden und das Ereignis nimmt seinen Lauf. Dafür wartet die Location mit einer Anfahrt Irgenwo im Nirgendwo auf. Ihr Kinder fliegt mit Eurer Mutter, den Großeltern und ein paar Freunden und ich fahre mit meinen beiden ältesten Freunden/ Freundinnen ordentlich beladen mit zwei Autos gen Apeccio. Auf der Zwischenübernachtung kurz hinterm Brenner werden wir eingeschneit, eine Freundin Deiner Mutter nebst Ihrer Tochter verpasst in Mailand ihren Anschlussbus nach Ancona, was wiederum mich zu einer zweistündigen Irrfahrt in Florenz beordert, aber was soll uns jetzt noch aufhalten. Irgendwann sind alle da, die Armenier zwar am falschen Bahnhof des ursprünglichen Hauses, aber auch da schaffen Hamburger Freunde mit einer spontanen Ausflugsfahrt die nötige Abhilfe.

Ich glaube manchmal, wer mit uns befreundet ist, kalkuliert so ein kreatives Chaos fast mit ein. Nun nimmt eine wunderbar interkulturelle Woche Ihren Lauf. Es gibt mal israelisches Frühstück, schwäbisch-serbischen Kartoffelsalat zu Mittag und armenisches Schaschlik am Abend. Multikulti-Jünger wie ich sind glücklich. Punkt. So habe ich mir das vorgestellt.

Für den eigentlichen Partyabend haben wir extra eine deutschsprachige Kinderbetreuung organisiert damit Euch allen nicht zu langweilig wird und Roberto gibt sich auch wirklich alle Mühe, doch die versammelte Kinderschar möchte sich lieber selbst beschäftigen und der Mann ist nahezu arbeitslos. Die angedachte Nachtwanderung mit Stirnlampen scheitert an einem Gefühl, das ich von meiner Tochter selten kenne: Du hast Angst und wir brechen die Nummer ab. Und schwups hat Leo schon wieder jemanden ganz für sich alleine. Die beiden sind aber auf jeden Fall ein schön anzuschauendes Team.

Die Tage vergehen wie im Flug und obwohl wir noch zwei Tage Genua in unserem Lieblingshotel anhängen, sind wir wieder viel zu früh zu Hause.

Nun sind wir also endgültig verheiratet und haben dafür nur an einer Location, drei Religionen und zehn Nationen unter einem Dach gebraucht. Das sich die deutschen Botschaften in Tiflis und Moskau nicht einigen können, wer für Abchasien zuständig ist nehme ich ihnen aber dennoch persönlich krumm. Und zwar ganz undiplomatisch, meine Herren. Irgendwie fehlte eine Nation, allen Anwesenden danke ich aber von ganzem Herzen für ein wundervolle Woche voller Wahnsinn.

Geschrieben in San-Giovanni-di-Moriani, Corsica, France.

posted by on Das fünfte Jahr, Von Geburt an

Eure Mutter und die Ukraine – das entwickelt sich allmählich zu einer Art Dauerzustand. Jedenfalls ist zu dem eifrigen Stahlverarbeiter dort noch ein weiterer Kunde im Westen, unweit der polnischen Grenze hinzugekommen und die beruflichen Zeitfenster im Osten werden größer. Im aktuellen Monat konkret gesagt drei Wochen inklusive einmaligem Inner-Ukrainischem Umzug mit Sack und Pack. Glücklicherweise juckelt Lena (Leos ukrainisches Kindermädchen) dem kleinen Familientross munter hinterher und somit steht der bereits vielfach geprobten temporären Familienteilung nix mehr im Wege: Leo mit Mama im Osten, Sarah Sophie mit mir im Westen.

Und wer sich nun schon wieder ganz alleine mit seinem Kindermädchen herumtreiben darf, muss bei Mama eben auch schon mal mithelfen. Jedenfalls vermeldet der Osten freudig folgendes tägliches Szenario: Wird Leo gewickelt und ist dann frisch “gepampert” hüpft er vom Hotelbett herunter, schnappt sich sein Exkrementenpäckchen und flitzt damit in Richtung Mülleimer, schmeißt es hinein und wartet sogleich Freude strahlend neben eben diesem auf die mütterliche Belobigung. Erfolgt diese, stampft er mit stolz geschwellter Brust zurück und widmet sich sogleich wieder sein Bauklötzen und dem anvisierten Turmbau, seiner derzeitigen Lieblingsbeschäftigung, neben dem Entsorgungsritual.

Selbst ist der Mann, Nikopol, UA, März 2017

Selbst ist der Mann, Nikopol, UA, März 2017

Aber nun wieder in den Westen!

Sarah Sophie und ich beschließen die mütterliche Enthaltsamkeit dahingehend zu nutzen, um uns Dingen zu widmen, die Eure Mutter derzeit – Leo-bedingt – eher nicht ausüben kann und fahren einfach mal eine Woche in die Berge zum Skifahren. An einem Freitag Mitte März hole ich Dich aus dem Wald ab und wir starten direkt Richtung Sölden in Tirol. Wir haben verhandelt, daß Du hier nochmals in die Skischule gehst, um danach vollends gerüstet, im kommenden Winter, mit mir alleine gen Tal zu schwingen.

Sarah Sophies vierter Skikurs, Sölden, AT, März 2017

Sarah Sophies vierter Skikurs, Sölden, AT, März 2017

An dieses handwerklich ordentlich ausgehandelte Ergebnis schummelst Du zwar noch ein kleines Zusatzprotokoll dem ich allerdings auch argumentativ nicht wirklich etwas entgegen zu setzen habe nachdem wir feststellen konnten, daß sich zwischen Campingplatz und Talstation ein Schwimmbad befindet, womit die nachmittägliche Beschäftigungen wohl klar sein dürften.

Söldener Skischulen scheinen etwas weniger spielerisch im Vergleich zu Ihren Mitbewerbern im Lungau zu sein, jedenfalls hopst ihr kein überdimensionales, singendes Schokobonbon namens Smarty zum täglichen Abschluss umher. Dafür bekomme ich morgens um zehn kurz und knapp von einer burschikosen Jenny mitgeteilt zu welcher Hütte ich Mittags zu kommen habe, wenn ich mit Dir zusammen essen möchte, oder wie Du es neuerdings ausdrückst: “Wo wir mittagen!”.

Wie in Skischulen allgemein üblich, kann den Kindern entweder das Geld für das Mittagessen mitgegeben werden oder man kommt jeweils dorthin, wo die Gruppe eben gerade ist. In einem zweiten, offenbar geheimen Zusatzprotokoll scheinen wir letzteres festgeschrieben zu haben. Du erklärst mir jedenfalls das dem genau so ist. Und die ganze Sache ist so geheim, daß sogar ich – bestimmt aus nachrichtentechnischen Sicherheitsgründen – davon nichts weiß. Macht aber gar nix, erklärst Du mir unmissverständlich und schiebst zur Manifestation auch noch ein zentrales Erziehungsmerkmal nach: Eingeforderte Ehrlichkeit mittels: “Papa, daß hast Du versprochen. Sonst hast Du gelogen. Und das darf man ja nicht. Das hast Du ja auch gesagt!”

Nun denn, jetzt kenne ich dafür alle Hütten mit Kindermenüs und Jennys halbe Lebensgeschichte, denn selbstverständlich sitzt Du beim Mittag lieber bei Deinen neuen Skifreundinnen als bei mir. Die anderen Väter Deiner Skigruppe scheinen übrigens keine geheimen Zusatzprotokolle vorgefunden zu haben, jedenfalls bin ich stets der einzige vor Ort.

Am Ende der Woche präsentierst Du mir jedenfalls stolz Dein fahrerisches Können und mußt Dich im obligatorischen Abschlussrennen lediglich einem zwei Jahre älterem Jungem mit sehr ambitionierten Eltern geschlagen geben, was nun wiederum mir sichtbare Freude bereitet. Kurzum, unser kleiner Bergausflug hat Dich in zweifacher Hinsicht bereichert:

Du bist alpin und Verhandlungskompetenzmäßig eindeutig den sprichwörtlichen Schritt nach vorne gegangen und wer hätte das schon gedacht nur weil man mal eben an bekannten Tiroler Gletschern vorbeischaut.

Irgendwie doch ganz gut unser Ost-West-Konzept. Also, zumindest im Westen. Im Osten, sonst übrigens nichts Neues, höre ich gerade.

Ab ins Tal, Prinzessin.

Geschrieben in San-Giovanni-di-Moriani, Corsica, France.

posted by on Das fünfte Jahr, Von Geburt an

Wie selbständig laufen funktioniert hat Leo nun endgültig verstanden und macht rege Gebrauch davon. Aus und vorbei die Zeit wo ich Dich einfach mal eben irgendwo hinsetzen kann. Denn wer schon laufen kann, sollte das auch tun, denkst Du Dir wahrscheinlich. In der Wohnung oder im Hotel ist das noch ganz lustig, draußen auf einer Straße eher weniger. Aber wer eine große Schwester hat, hat eben auch eine Leibwache. Sarah Sophie wird nicht müde hinter, neben oder vor Dir her zu flitzen und gehörig auf den kleinen Bruder aufzupassen. Zwischendurch kann das ganze von einer spontanen Knuddelattacke Seitens der Großen unterbrochen werden was uns nicht selten ein Schmunzeln entlockt.

Nebenbei sind in diesem Monat Leos nuscheligem Kinderquderwelsch zwei elementare Worte mehr oder weniger deutlich zu entnehmen: Mama und Papa! Elterliche Verzückung inklusive. Das wesentliche Ereignis diesen Monats ist aber eindeutig und unangefochten Deine neu erklärte Lieblingsspeise – und das sind Bananen. Je mehr, je größer desto besser.

Bananen

Bananen, Bananen und nochmals Bananen, Februar 2017

So ein neuerlicher Bananentag sieht exemplarisch so aus:

Wenn Du in den frühen Morgestunden die familiäre Nachruhe kollektiv für beendet erklärst, kletterst Du rückwärts aus dem Bett (und zwar exakt gleich wie Deine Schwester im gleichen Alter) um forschen Schrittes Richtung Küche zu stolpern damit nun eine Art brumpftiger Urschrei die Wohnung erschüttert. Spätestens jetzt sollte auch die Nachbarschaft im Nebenhaus erwacht sein. Folge ich Dir nun schlaftrunken in die Küche steht mein Sohn auf Zehenspitzen vor dem kindersicher platzierten Bananenvorrat um wild gestikulierend seinen nicht verhandelbaren Wunsch nach dem tropischen Staudengewächs Ausdruck zu verleihen. Unter bis zu zwei Bananen ernährunstechnischer Vorleistung treten wir zum Frühstück gar nicht erst an. Wer weiß schon was man da sonst so bekommt. Die obligatorischen Frühstücksflocken zählen da im Prinzip schon als Dessert. Aus verbriefter Quelle weiß ich, daß Du beim zweiten Frühstück im Kindergarten derart gestärkt keineswegs an Appetitlosigkeit leidest, was mir wiederum schlagartig die quälenden Versuche Deiner Schwester Essen anzubieten ins Gedächtnis ruft. Leo isst gefühlt den ganzen Tag und hier scheint die elterliche Aufgabe lediglich die kontinuierliche Bereitstellung eines dauerhaften Nahrungsstroms zu sein.

Aber zurück zu den Bananen!

Hole ich Dich vom Kindergarten ab – ganz gleich welche Uhrzeit – bekletterst Du Deinen Autositz nicht ohne Dich vom Inhalt meiner Tasche zu überzeugen und verfällst nach erfolgreichem Bananenanblick in eine Art freudiger Hysterie ob der bevorstehender Zwischenmahlzeit. Die Fahrt nach Hause oder alternativ zum benachbarten Spielplatz dauert glücklicherweise genau eine Bananenlänge. Dort angekommen spielst Du ein bisschen um spätestens in einer Stunde mal wieder vorbeizuschauen und die Bananenbevorratung um mindestens ein Exemplar zu reduzieren.

Spätestens kurz vor dem Abendessen zeigt sich dann Leo erneut in ultimativer Bananenlaune und pocht nicht gerade leise auf sein erlerntes Bananenrecht. Aber klar, einmal Chitas Lieblingsspeise als erster Gang vorab, geht immer. Die Portion Buchweizen verdrücken wir dann so nebenbei. Wahrscheinlich wohl wissend, daß da möglicherweise noch etwas krummes gelbes wartet. Der Fall tritt dann auch mit ziemlicher Sicherheit ein.

Schläfst Du dann, ertappen sich Deine Eltern nicht selten dabei in der Küche die entsprechende Vorratsmenge zu kontrollieren um abschätzen zu können, in wie weit wir damit den folgenden Tag überstehen könnten. Wohlgemerkt “könnten”. Gerne wirst Du des Nächstens auch mal wach um dann nicht selten einen kleinen Imbiss einzunehmen, selbstverständlich in Form einer Banane.

So, bevor mich jetzt alle gestandenen Übereltern zur Kinder-Ernährungsberatung schleppen: Ja, mir ist durchaus bekannt, daß Kinder ausreichend Milch zu sich nehmen sollen und eben diese in Kombination mit Bananen zu verdaulichen Problemen führen können. Darüber denke ich auch manchmal ganz fest nach, wenn Du – um noch einen draufzulegen – den zweiten Becher fettester, selbstverständlich nicht homogenisierter Heumilch auf ex zwischen zwei Bananen in Dich hineinstürzt. Mäßigung ist eher nicht so Dein Ding.

Ach übrigens wurde mir letztlich aus Deinem Kindergarten bestätigt, daß Du offenkundig keine Probleme beim Essen hast, auch Obst isst Du ja ganz gerne. Wenn ich mal nicht weiter wüßte, solle ich Bananen versuchen, die scheinst Du besonders gerne zu mögen.

Da hätte ich aber auch selbst drauf kommen können. Eine Banane gefällig, mein kleiner Kerl?

Geschrieben in San-Giovanni-di-Moriani, Corsica, France.