posted by on Das sechste Jahr, Von Geburt an

Die ersten Schulferien stehen an. In den Herbstferien Sonne und Strand haben zu wollen bedeutet zwangsweise in ein Flugzeug zu steigen und somit sind wir am Roten Meer in Ägypten gelandet. “Ja, ja – typisch immer von Individualität quatschen, fremde Kulturen kennenlernen wollen und dann das: Riesen Hotelkomplex, All-Inclusive und Kinderbespassung auf russisch von Olga und Co.” Das personifizierte Grauen für mich, aber ich habe mich schlicht und einfach von Eurer Mutter und Sarah Sophie “belatschern” lassen. 30 Grad Ende Oktober sind aber auch ein fieses Argument.

Wir machen also “Piratenschiffhotel-Urlaub” wie das ganze Projekt ab sofort familienintern nur noch benannt wird, da hier in einer schier endlosen Poollandschaft eben ein Piratenschiff-Spielplatz eigebaut ist.

"Piratenschiffhotel-Urlaub", Hurghada, EGY, Oktober/ November 2017

“Piratenschiffhotel-Urlaub”, Hurghada, EGY, Oktober/ November 2017

Gleich vorweg, jedes Klischee und alle meine Vorurteile zu dem Thema sind bestätigt und erfüllt. Hat man daran einen Hacken gemacht, ist es ganz Okay. Das Hotel hat einige Boote und somit sind wir ausreichend maritim versorgt. Es könnte einem schlechter gehen.

Auf einem Bootstour zum Schnorcheln sitzt Sarah Sophie zwar lieber mit bewundernswerter Hingabe stundenlang in die Reling eingeklemmt und befestigt immer wieder neuen Köder an ihrem Angelhaken.

Sarah Sophie entdeckt das Angeln, Rotes Meer, EGY, Oktober/ November 2017

Sarah Sophie entdeckt das Angeln, Rotes Meer, EGY, Oktober/ November 2017

Das Du dabei nichts fängst stört Dich erst nach einer halben Ewigkeit und Du läßt Dich doch dazu bewegen mit Taucherbrille ins Wasser zu steigen. Und was die Große kann, will der Kleine erst recht. Leo paßt zwar keine der verfügbaren Masken, macht aber nix, Schwimmflügel an und runter vom Boot. Die Crew findet offenbar Gefallen an dem mutigen, dauergrinsenden kleinen Kerl und Leo wird ein besonderer Service zuteil. Einer der Taucher lockt mit Bergen von Brot die buntesten Fische vom Riff zu Leos Planscheplatz und Du bis derart aus dem Häuschen, daß Du dich zwischendurch immer wieder selbst unter Wasser tauchst. Scheint Dir aber völlig egal zu sein, Du lachst in einer Tour und wir hören ununterbrochen “Uiiiiihhhhhhh” – Deine aktuelle Reaktion auf alles was Dich erstaunt und begeistert. Leo in Nemos Paradies könnte man sagen.

Ansonsten dauert es keine drei Tage und jeder kennt Dich. Mohamed, der Bootstourenvermittler den Eure Mutter mit Ihrem Verhandlungsgeschick in den Wahnsinn treibt, muss Dir jeden Tag irgendetwas auf den Arm malen, da kennst Du nix, das wird eingefordert, sonst kommt der Mann nicht an Dir vorbei.

Und hier macht Weglaufen noch dreimal mehr Spaß weil Dich immer irgendeiner an die Hand nimmt und wieder zurückbringt. Nach einer Woche hast Du das Prinzip aber noch weiter professionalisiert:

Unmittelbar hinter dem Strand befindet sich ein Spielplatz und hier holen entweder Deine große Schwester – die sich am Rande bemerkt immer besser in dieser Rolle gefällt – oder ich Dich nicht selten ab, wenn ich sehe, daß Dich ein freundlicher Servicemitarbeiter mal wieder zum Ort Deiner Begierde geleitet. Keine zwei Tage später machst Du das dann noch putziger. Erblickst Du einen der üblichen Verdächtigen, springst Du unverzüglich vom Strand auf, läßt Förmchen und Schaufel fallen, hängst Dich an seine Hand und schon spaziert ihr zu zweit schon mal los zum Spielplatz und ich kann wahrscheinlich froh sein, das Du nicht zur Paragliding-Station möchtest. Dir scheint das Prinzip jedenfalls Riesenspaß zu machen, wiederholt sich das ganze doch mehrfach täglich.

"Wer holt Leo?", Hurghada, EGY, Oktober/ November 2017

“Wer holt Leo?”, Hurghada, EGY, Oktober/ November 2017

Erstaunlich erscheint mir hingegen, daß der Strand-Spielplatz-Shuttle-Service keine Nachahmer findet. Alle anderen Kindern lassen sich artig von Ihren Eltern eskortieren, aber vielleicht grinsen die einfach nicht genug. Jedenfalls war die meistgestellte Frage der vergangenen zwei Wochen: “Wo ist Leo?” Heute fliegen wir nach Hause, es dürfte also wieder ruhig am Strand werden.

Geschrieben in Hurghada, Red Sea Governorate, Egypt.

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“Schule hat begonnen”. Diesen orangen Aufkleber auf dem Heck nahezu jedes Familienautos der 1970er Jahre gibt es – glaube ich – zwar nicht mehr, aber genau das passiert bei uns in diesem Monat. Sarah Sophies Einschulung steht unmittelbar bevor und ist das allumfassende Thema derzeit. Eure Mutter lässt es sich selbstverständlich nicht nehmen die Schultüte standesgemäß selbst zu basteln, auch wenn sie den dazu gedachten Bastelbausatz dafür auf einen der beliebten Ukraine-Jobs mitschleppen muss. Ich habe mal zaghaft nachgefragt, ob wir eventuell auf ein fertig konfiguriertes Modell Rückgriff nehmen können, aber alleine der Blick bedarf keinerlei Nachfrage mehr. Lustig stelle ich mir die fragenden Gesichter der jeweiligen Sicherheitsbeamten an den drei durchreisten Flughäfen vor, aber auf jeden Fall hast Du die garantiert sicherste Schultüte aller diesjährigen Erstklässler. Dafür verbürge ich mich. Wer hat schon eine Variante mit überstandenem Sprengstofftest.

Die wahrscheinlich weit gereisteste Schultüte des Jahrgangs 2017/ 2018

Die wahrscheinlich weit gereisteste Schultüte des Jahrgangs 2017/ 2018

Damit haben wir übrigens auch schon die richtige Überleitung zu Deinem großen Tag. Das Euer Vater unbedingt der Meinung ist denselbigen gefilmt festzuhalten steht außer Frage, aber es muss diesmal auch noch auf 16mm sein, was das Equipment unwesentlich imposanter aussehen lässt. Einen nochmals nachhaltigen Dank an Friedemann aus Hamburg für das Überlassen seiner Bolex H16. Dieses “handliche” 5kg-Gerät schweizerischer Kamerapräzision passt mit angesetzten Pistolengriff in keine meiner Kamerataschen und somit lugt eben dieser metallene Handgriff aus der Tasche oben heraus. Mir ist völlig klar, daß dies gegebenenfalls zu eventuellen Nachfragen beim Betreten der Synagoge führen könnte. Aus Zeitgründen teilen wir uns morgens auf und ich bringe Leo in seinen Kindergarten um dann Dich und Deine Mutter in der Synagoge zu treffen, da dort Dein großer Tag seinen Anfang nimmt.

Erstaunlicherweise finde ich einen Parkplatz nur ein paar hundert Meter entfernt und spaziere mit der geschilderten Tasche in Richtung Eingang. Es dauert keine 10 Sekunden und ich vernehme hinter mir dieses typische Geknirsche welches ich akustisch eindeutig einem Funkgerät zuordne. Eine tiefe, hastige Stimme versucht bewusst leise etwas auf russisch hineinzusprechen und pünktlich etwa 50 Meter vor dem Eingang fängt mich ein sympathetisch dreinblickendes Kraftpaket von gefühlten 2×2 Meter Körpermasse ab um mich zu interviewen was ich hier denn so mache und ob er mal kurzfristig in meine Tasche schauen dürfe. Ja, als Frage war das nur rein rhetorisch zu verstehen. Da sich hier jemand in Konsequenz um die Sicherheit meiner Tochter kümmert, wird mir der mögliche kaukasische Nahkämpfer schnell sympathisch. Ich antworte wahrheitsgemäß über mein Ansinnen und werde unmittelbar mit der Fangfrage konfrontiert, wie denn die Klassenlehrerin meiner Tochter heissen würde. Nachdem ich erkläre, daß ich den Namen ja erst heute im Zuge der Einschulung erfahre, und ihn somit noch nicht kennen kann, verwandelt sich sein reservierter in einen freundschaftlichen Ton und er ruft den Funkgerät-Kollegen herbei, der offenkundig besser in Kamerabegutachtungen ist. Die Herren gehen ohne einen Kommentar von mir davon aus, daß man die Gerätschaft wohl nicht von innen inspizieren kann und jeder linst einmal hindurch. Dann darf ich passieren und werde drinnen von meiner Tochter mit den Worten “Papa, wo bleibst Du denn, es sind schon alle da?!” begrüsst. Augenrollen inklusive!

Von der Synagoge geht es später zur Schule und hier findet das wahrscheinlich überall gleiche Prozedere in der Sporthalle statt. Verzückte Verwandtschaften gruppieren sich um ihre herausgeputzten Kinder, die wiederum ihre Schultüten stolz umhertragen. Einzeln werden die Namen aufgerufen und die betreffenden Kinder betreten voll freudiger Erwartung der kommenden Jahre die aufgebaute Bühne um sich begeistert der applaudierenden Menge zu präsentieren. Da wir zur 1b gehören, dauert das Warten des Aufrufs etwas länger und hier passiert der erstklässlerisch größte anzunehmende Unfall:

Die übervolle Schultüte verliert ihren Schwerpunkt am Kind und fällt auseinander. Wir sind bereits beim Buchstaben “B” unserer Klasse und stehen somit Minuten vor einer Katastrophe wie mir die Reaktionen von Dir unzweifelhaft transportieren. Eure Mutter zaubert aus dem Nichts irgendwelchen Zwirn herbei und ich weiss einmal mehr warum in jede Kameratasche eine Rolle Gaffa-Tape gehört. Problem bei “M” gefixt, bei “P” Kindertränen getrocknet und nach erfolgtem Namensaufruf stolziert eine großes, kleines Fräulein Reichmann nebst Tüte auf die Bühne als wäre nichts gewesen. Das ist meine Tochter – und ich platze vor Stolz!

Ab jetzt also ein Schulkind, Düsseldorf, September 2017

Ab jetzt also ein Schulkind, Düsseldorf, September 2017

Eure Mutter verstaut einen Berg übrig gebliebener Süssigkeiten in ihrer Tasche und Du gehst mit Deinen neuen Klassenkameraden in Eure Klasse. Deine Rektorin fragt mich anschließend noch zu welchem Kind ich gehöre und das es ja sehr gut sei, jetzt jemand mit einer professionellen Kamera an der Schule zu wissen. Was immer das auch heissen soll. Zur Sicherheit habe ich mir dann mal eine eigene 16mm-Bolex gekauft – man weiss ja nie. Dafür übrigens vielen Dank an Gerhard aus Berlin.

So jetzt also ein Schulkind. Es bleibt spannend – und das ab sofort auch auf größerem Format.

Geschrieben in Hurghada, Red Sea Governorate, Egypt.

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Es ist soweit: Sarah Sophies Waldkindergarten-Zeit geht zu Ende. Drei Jahre, welche wahrscheinlich zu den schönsten Deines Lebens gehören sind einfach vorbei. Mit dem Pragmatismus meiner Tochter kann ich nicht zwar nicht ganz mithalten, aber mit Deiner Aussage: “Papa, Wald ist gestern, heute ist Urlaub und morgen ist Schule.” umschreibst Du unsere aktuelle Lebenssituation komprimiert durchaus treffend. Aber als ich Dich nach der üblichen Waldübernachtung des Abschlussjahrgangs morgens abhole und mir Deine gesammelten Werke, Forscherbücher und eine Fotomappe der vergangene Jahre überreicht werden, habe ich ziemlich nah am Wasser gebaut. Das gebe ich hier ganz offen zu und sieht man mir wohl auch an. Jedenfalls nimmt mich unser Waldhäuptling Erica fest in den Arm und versucht mich aufzumuntern: “Ihr seit ja nur ein Jahr weg, dann bringst Du doch Leo.” Das stimmt nun auch wiederum und es hilft ja auch alles nix, für Sarah Sophie beginnt ein neuer Lebensabschnitt und da muss der alte wohl zwangsläufig weichen. Schön wars, Ende, Abspann und aus. Punkt!

Die letzten Tage vor dem Urlaub verbringt Sarah Sophie auf der Ponywiese und eigentlich wollten wir am Wochenende davor Freunde an der Ostsee besuchen, Ihr beide mit Eurer Mama am Montag früh von Hamburg in die Ukraine fliegen, damit ich Euch dann am darauffolgenden Samstag mit dem Campingbus in Bologna am Flughafen einsammeln kann und wir alle gemeinsam in Livorno auf die Fähre nach Korsika gehen. Soweit der Plan, klappt aber nicht, weil sich erst Leo mit Fieberkrämpfen, Bewusstlosigkeit und dem ganze daranhängendem Tamtam ins Krankenhaus und danach in die beliebte Kinderkrankheit “Hand-Fuß-Mund” verabschiedet um einen Tag später auch Sarah Sophie damit anzustecken. Eure Mutter storniert Flüge, Hotel und Kindermädchen und erklärt den Ukrainern eine unabänderliche Terminverschiebung.

Sarah Sophies größte Sorge ist, daß nun der avisierte Urlaub ausfallen könnte, da sie bereits bei mir den Kauf eines Kinderschlauchboots ausgehandelt hat und für Leo mittels mehrmaligem Herumsuchen in der Garage die geeignete Auswahl an aufblasbaren Gummitieren zusammengestellt hat. Am Montag gibt der Kinderarzt grünes Licht, sofern bis Mittwoch bei Sarah Sophie keine Verschlechterung auftritt und Leos bunte Pusteln nicht weiter zunehmen. Der Countdown läuft somit und Sarah Sophie steht ungefähr zwanzigmal am Tag vor dem Spiegel und beäugt sich akribisch, um anschließend wieder bei Leo jeden Ausschlagspunkt zu zählen. Wir haben Glück und offenbar zwei robuste Kinder mit denen wir am Donnerstag-Abend in Richtung Süden aufbrechen können.

Auf der Insel brauchen wir auch nur zwei Strandbuden und einen Supermarkt um das geeignete Wassergefährt zu finden mit dem Sarah Sophie von nun an fröhlich jeden Tag umherpaddelt. Leo entdeckt in der Zwischenzeit das zur Verfügung stehende Ensemble der schwesterlich zusammengestellten Gummitiere und auch hier gilt: je größer desto besser. Bei dem Delphin klappt das Beklettern zu Lande zwar wunderbar, im Wasser erweist sich das Getier aber doch als recht unhandlich und nach dem dritten unfreiwilligem Tauchgang schleppst Du kopfschüttelnd und unaufhörlich “Nein, nein, nein, …” brabbelnd das Spielzeug an den Strand.

In diesen Tagen stelle ich erneut fest, wie völlig angstbefreit Du bist. Schwimmen kannst Du naturgemäß natürlich noch nicht, aber das Element an sich findet Deine volle Zustimmung. Auch wenn Du mal wellengeschuldet umfällst, prustend nach Luft schnappst, ganz egal sofort wieder ab ins Wasser. Mittlerweile hast Du verstanden, daß Dich die lustigen roten Dreiecke an Deinen Armen über Wasser halten und Du dennoch mit den Beinen für genügend Vortrieb sorgen kannst. In Kombination mit Fridolina, dem grünen Krokodil Deiner Schwester, schaukelst Du jedenfalls begeistert durch den Seegang.

Leo und Fridolina, Korsika, F & Chiemsee, D, August 2017

Leo und Fridolina, Korsika, F & Chiemsee, D, August 2017

Wieder an Land äußert sich Dein ausgeprägter Wille dann schon mal etwas rustikal wie aktuell immer wieder zu beobachten: Du teilst bereitwillig Dein Sandspielzeug mit anderen Kindern, forderst das allerdings ebenso von den anderen ein. Ist dem dann mal nicht so, wird schonmal Dein Gegenüber mit der Schüppe traktiert und wenn Deine Schwester es wagt die Spielzeug-Eishörnchen an sich zu nehmen, bekommt sie gerne den Eimer in Richtung Kopf geschleudert. Alternativ sind wahrscheinlich lange Haare einfach dazu gemacht um daran ziehen zu können. Kurzum, in diesem Urlaub arbeite ich an Deinem Sozialverhalten mit Hochdruck.

Beruhigend sind glücklicherweise die meisten Reaktionen auf Seiten der Eltern der von Dir malträtierten. “Das geht vorbei. Jungs sind eben so.” ist der meist gehörte Satz am Strand. Das will ich gerne glauben, aber beeil Dich gefälligst mal ein bisschen damit mein kleiner Rabauke. Mir gehen langsam die Entschuldigungen aus.

Geschrieben in Chiemsee, Bavaria, Germany.

posted by on Das sechste Jahr, Von Geburt an

Leo entdeckt die Tierwelt für sich. Und zwar nicht etwa den nicht unbescheidenen Kuscheltiervorrat seiner Schwester, nein je größer und lebendiger desto besser. Dies gepaart mit Deinem schier grenzenlosen, vollständigem Ausbleiben des Gefühl Angst, läßt uns Eltern schon mehr als ein Mal zusammenzucken wenn man nicht schnell genug bei dem Halter des freundlich dreinblickenden Schäferhundes nachfragen kann, ob der Hund bestreichelbar ist oder eben nicht.

Ach was heißt hier streicheln, gerne umarmst Du Hunde die auch mal einen Kopf größer sind als Du selbst vollständig und denkst Dir so ein Schwanz ist bestimmt als eine Art Haltegriff konstruiert. Mittlerweile habe ich Dir gefühlt eintausend Mal erklärt, daß man nicht einfach jeden Hund in oder unter den Arm nehmen kann, weil der das unter Umständen weniger begeistert aufnimmt als Du selbst. Hilft aber bis dato überhaupt nicht und ich bin sehr dankbar bis heute kinderkompatiblen Vierbeinern begegnet zu sein.

Sarah Sophie hat so ihre eigene Art entwickelt mit der neuen brüderlichen Tierliebe umzugehen. Eines Tages – Leo ist gerade nicht da – brauchst Du unbedingt unaufschiebbar sofort irgendeine Kiste, die ich Dir glücklicherweise auch beschaffen kann um dann zusehen zu dürfen, wie Du Deine beiden Kuscheltiertruhen auf den Boden entleerst um anschließend in einer Seelenruhe eine hübsche Sammlung in besagte Kiste umzusortieren. Mit gekonnt gönnerhaftem Blick schiebst Du diese dann von Deinem in Leos Zimmer und verkündest mir voller Stolz, daß das jetzt Leos Kuscheltiere sind, Du sie ihm schenkst, damit der kleine Bruder damit schon mal das Kuscheln mit den echten Tieren üben kann. Entzückende Idee wie ich Dir bestätige, erziehungspraktisch aber wohl eher kontraproduktiv. Am Abend wird Leo dann allerdings dann auch jedes einzelne Tier aus seiner neuen Tierkiste persönlich von der Schwester überreicht inklusive detailreicher Erläuterungen zu Art und Gattung. Gekuschelt wird damit übrigens nicht, wieso auch, die laufen ja nicht weg.

Doch zurück in Leos Tierwelt.

Der gibt sich nicht mehr mit großen Hunden zufrieden, sondern hält gekonnt Ausschau nach noch Größerem. Da das diesjährige Sommerfest des Arbeitgebers Eurer Mutter unter dem Motto “Rodeo” steht und neben dem zu erwartenden elektrischen Bullen mit Hilfe dessen sich die Großen zum Kasperl machen dürfen, es auch Ponyreiten im Firmengarten für den Beraternachwuchs im Angebot gibt, ist klar wohin die Reise gehen dürfte. Leo erscheint es völlig unverständlich wieso er nach nur drei Runden den Platz auf dem Ponyrücken wieder räumen soll, wo er sich offenkundig da oben prima arrangiert hat. Und an der Stelle ist es dann doch von Vorteil ein eineinhalbjähriger stetig grinsender Junge zu sein, jedenfalls wickelst Du die Pony-führenden Mädels damit vollständig ein und im Prinzip verbringst Du den gesamten Nachmittag zu Pferde.

Leos entdeckt die Ponys, Düsseldorf & Köngen, D, Juli 2017

Leos entdeckt die Ponys, Düsseldorf & Köngen, D, Juli 2017

Allmählich mache ich mir dann doch Gedanken was als nächstes kommt. Ich kenne nämlich niemanden mit einem Haustierelefanten in der näheren Umgebung. Macht aber nix, regelst Du ganz alleine und zwar auf der Geburtstagsparty Deiner Schwester.

Die findet auch in diesem Jahr wieder auf Ihrer heiß geliebten Ponyfarm statt und hier hat wohl jedes der älteren Mädels, welche hier aushelfen einen Hund und die sind auch alle da. Und schlagartig sind nun die kleineren Hunde Leos Objekt der Kuschelbegierde nachdem Du verstanden hast, das sich Bibbi und Co. auch noch prima umhertragen lassen wenn Du stoisch versuchst alle Hunde einer Größenabteilung in eine Reihe aufzustellen. Ganz schön tierisch eigensinnig das hier Deinen Anweisungen nicht gefolgt wird. Interessiert Dich aber nicht weiter, versuchst es eben nochmal.

Ein paar Tage später waren wir bei Freunden in Berlin und Leo hat wieder eine neue Kuscheltierfavoritin mit passenden Namen. Lea und Leo toben jedenfalls gerne gemeinsam durch den Garten. Lea ist übrigens ein ungarischer Kuvasz und nicht gerade zierlich.

Es geht also wieder größenmäßig nach oben. Aber auf Kamelen läßt sich ja auch trefflich reiten.

Geschrieben in San-Giovanni-di-Moriani, Corsica, France.

posted by on Das fünfte Jahr, Von Geburt an

Wie in jedem Jahr beschert uns der Juni einige “lange” Wochenenden, da wir natürlich grundsätzlich einen Feiertag am Donnerstag mittels Brückentag am Freitag zu einem ebensolchen umfunktionieren. Diesmal nur mit der kleinen Einschränkung, daß Eure Mutter zumindest an einem dieser Wochenenden mal wieder mit Leo in der Ukraine umhergeistert und somit Sarah Sophie und ich uns allein ein geeignetes Ausflugsziel suchen müssen. Vier Tage zuhause, geht bei uns selbstverständlich gar nicht. Es geht zum Leukermeer in Holland.

Und es gibt eine Besonderheit: Wir sind nicht alleine. Deine Freundin Elisabeth samt Ihrer Mutter Katja kommt mit. Platz haben wir ja genug, das ist nicht das Problem, aber wer Katja kennt, kann sich viel vorstellen – ein Campingplatz gehört aber nicht unbedingt dazu. Cocktailbars, Crevettenhäppchen oder ausgedehnte Shoppingtouren durch die bekannten Luxusboutiquen dagegen schon eher. Ich frage noch einmal zur Sicherheit nach, die beiden sind aber fest entschlossen. Zur Historie muss man noch dazu sagen, daß die zwei bereits bei unserem letzten Skitrip im März eigentlich mit wollten, das ganze aber an fehlenden Schulferien von Elisabeth gescheitert ist. Das ganze ist zudem eine Idee Eurer Mutter was wiederum bei meinen Kumpels ein völlig erstauntes “Mit wem schickt Dich Helena in den Urlaub?” hervorruft. Die männliche Übersetzung für: “Ja, Katja ist sehr attraktiv und allein erziehend!”

Ausflug mit Katja und Elisabeth, Leukermeer, NL, Juni 2017

Ausflug mit Katja und Elisabeth, Leukermeer, NL, Juni 2017

Die Eckdaten sind somit klar und am Mittwochnachmittag stehen wir mit unserem Campingbus vor Elisabeths Schule um zu viert und einige Prada-Schühchen nebst Gucci-Täschchen zum campen zu fahren. Natürlich habe ich eine Kiste passenden Prosecco dabei, wir wollen ja auch unsere Klischees hegen und pflegen.

Fauxpas Nummer eins leiste ich übrigens höchstpersönlich ab, da mir Eure Mutter zwar mehrfach gesagt hat, wann Elisabeth Geburtstag hat, ich aber natürlich nix behalte und somit an besagtem Mittwoch wie ein Vollhorst vor einem an diesem Tag gerade neun Jahre alt gewordenem Mädchen stehe, die mich auch erst nach einer Stunde fragt, warum ich Ihr denn nicht gratulieren würde. Da hilft auch keine gutgemeinte Entschuldigung mehr und Sarah Sophie setzt noch einen drauf: “Papa, hast du denn jetzt etwa auch das Geschenk für Elisabeth vergessen. Ich wollte ihr doch das Kleid mit den Blumen schenken. Das habe ich extra mit Mama für sie gekauft.”

Mittlerweile gucken mich vier Kinderaugen erstaunt an und ich erwäge die Selbstauflösung.
Kommt aber noch besser: “Elisabeth, Du musst entschuldigen, mein Papa ist so ein guter Vergesser, der macht das immer, kann aber nix dafür. Der ist halt so.” läßt mich meine Tochter im Regen stehen.

Katja rettet mich und deklariert kurzerhand den Ausflug zum Geburtstagsgeschenk womit sich die jungen Damen zufrieden geben. Ich kaufe Eis und entkorke eine Flasche. Ausflugsstart mit kleiner Holprigkeit geglückt.

Das Wochenende ist ein voller Erfolg, das Wetter traumhaft und der Sonntagnachmittag viel zu früh erreicht. Wir haben unsere Campingnachbarn sichtlich irritiert, alle vorhandenen Klischees und möglichen Vorurteile einer internationalen Patchwork- und auch eben wieder nicht Familie wie ich glaube zu einhundert Prozent erfüllt, die Damen haben sich jeden Tag mindestens vier mal umgezogen damit man zu jeden passenden Anlass auch korrekt gekleidet war und ich bestätige hiermit uneingeschränkt wie elegant eine Pradatasche zum Duschhäuschen getragen werden kann.

Und Sarah Sophie gibt offiziell bekannt, die beiden das nächste Mal wieder mitzunehmen. Dann aber nur mit ihrem Hund. Der paßt auch noch in eine solche Geschichte. Er heißt Gucci und paßt größenmäßig in die dazugehörige gleichnamige Tasche. So machen Klischees doch mal Spaß.

Geschrieben in San-Giovanni-di-Moriani, Corsica, France.

posted by on Das fünfte Jahr, Von Geburt an

Leo wird von Tag zu Tag selbstständiger, versteht schon vieles in beiden Sprachen und entwickelt eine putzige Vorliebe für Musik. Aber nicht für irgendwelche Musik, oder gar die üblichen verdächtigen Kinderlieder, nein er pocht vehement – und hier meine ich wirklich vehement – auf ein einziges Album eines israelischen Projekts. Da hab ich ihm nicht eingetrichtert sondern Leo hört eins Tages einen Track besagten Albums, beginnt unverzüglich ein wenig umherzutanzen und zeigt nach Ablauf des Stücks wild gestikulierend auf mein Telefon in der Dockingstation, offensichtlich verstehend, daß hier der Quell der Musik liegt. Lautstark “Da, da, da, …” brabbelnd fordert er seinen ganz persönlichen Loop.

Selbstverständlich habe ich versucht ihm alternative Musik anzubieten, aber nix da, außer “Quarter to six” des “Idan Raichel Project” geht da gar überhaupt nichts. Im Auto übrigens das gleiche. Wir bringen Sarah Sophie zuerst in den Wald und pünktlich zum Wiedereinstieg ins Auto auf dem Weg in Leos Kindergarten das immer gleiche Spiel. Ohne Herrn Raichel vollständige kleinkindliche Missbilligung, mit ihm alles bestens und ich habe ein fröhlich grinsendes Kind auf dem Rücksitz hocken. So juckeln wir tagtäglich mit hebräischer Musik gen Kücken-Kindergarten. Wie vollends politisch korrekt für einen jüdischen Jungen. Und es wird Dir auch nicht wirklich langweilig, ganz im Gegensatz zu Sarah Sophie die allmählich meschugge wird ob der immer wieder gleichen Mucke. Hier hilft nur eine salomonische Musikteilung in Form von “ein Stück von der Großen”, “ein Stück für den Kleinen.” Das allerdings auch Sarah Sophie allmählich Ihre, sich wiederholenden Musikpräferenz besitzt, blendet meine Tochter aber gerne mal aus. So verbringen wir schonmal ganze Tage zwischen dem kleinen Tanzbären und Chaim Pshutim. Hebräisch hebt sich Sarah Sophie wohl für die Schule auf, musikalisch bist Du da auf klassischem deutschsprachigem Kinderliedkurs. Nebenbei bemerkt, finde ich das von der Warte besonders interessant, da Du Kinderfilme nahezu ausschließlich auf russisch anschaust, beim Liedgut bist Du aber stramm deutsch.

Musikalisch gibt es also bei Euch beide folglich noch genügend Entwicklungsspielraum nach oben, das beruhigt.

Leo entwickelt dieser Tage aber noch eine weitere Eigenheit die bei den mütterlichen Großeltern wahre Begeisterungsstürme auslösen läßt und das geht so:

Fragt man ihn nach irgendetwas, was er holen soll oder wo etwas bestimmtes ist, läuft er dorthin und findet nicht sogleich was er sucht, dreht er die Handflächen nach oben, zieht die Schultern hoch, schaut einen mit weit aufgerissene Augen sehr fragend an und gibt ein leidensvolles “Ohhhhhhhh” von sich. Ich kann mich lange nicht erinnern eine so freudige Schwiegermutter gesehen zu haben. Nach dem ersten dieser Darbietungen schnappt sie sich jedenfalls ihren Enkel drückt ihn beherzt an sich und strahlt über das ganze Gesicht mit den Worten: “Er ist wahrhaft ein jüdischer Junge, seht Ihr die Handbewegung.”

Leo wird ein bisschen jüdisch, Mai 2017

Leo wird ein bisschen jüdisch, Mai 2017

OK, das Ganze sieht wirklich entzückend aus aber was daran nun so jüdisch sein soll kann wahrscheinlich eben nur eine jüdische Großmutter beurteilen. Sie ist jedenfalls vollends aus dem Häuschen, wie man so schön sagt. Nachdem die Großeltern in den folgenden Tage auch einmal Zeuge der neu entwickelten Musikleidenschaft meines Sohnes werden klopft mir mein Schwiegervater gefühlt auf die Schulter und fragt mich sichtlich wohlwollend “Er hört hebräische Musik? Wunderbar, das kann nur gut sein!”

Das ganze hat sich übrigens mittlerweile schon bis nach Israel herumgesprochen. Ich bekomme regelmäßig musikalische Empfehlungen von Freunden aus Tel Aviv gemailt. Vielleicht versuchen wir es jetzt mal mit Punkrock und ich frage mal unverbindlich nach: “Leo, wollen wir die Hosen hören?” Na ja, die Reaktion kann sich jetzt ja jeder denken.

Geschrieben in San-Giovanni-di-Moriani, Corsica, France.

posted by on Das fünfte Jahr, Von Geburt an

Eure Mutter und ich sind zwar schon jahrelang zusammen – mit kleineren Aussetzern gut und gerne rund 17 Jahre, aber bekanntlich erst seit November 2015 verheiratet oder anders ausgedrückt kurz vor Leos Geburt offiziell verbandelt. Das hierzu anstehende Fest findet nun in diesem Monat statt, da das Ende von Leos Stillzeit abzuwarten war, denn wer hätte sonst den ganzen Aperol trinken sollen.

Irgendwie stand immer fest, das ein solches Fest nur in Italien stattfinden soll und so haben wir uns auf dem Rückweg unserer zweiten Eltenzeit im vergangenen Jahr ein geeignetes Objekt in der Nähe von Ancona ausgeguckt, angezahlt und beim Winzer um die Ecke schonmal zwanzig Kisten Wein bestellt. Eure Mutter hat die Zimmerverteilung ein Duzend mal umgestrickt, den Caterer an seinem Beruf zweifeln lassen und ansonsten innigen Kontakt mit Beatrice und Massimo, den beiden Verantwortlichen vor Ort, via Telefon und Mail gehalten. Kurz, alles war gut, alle glücklich.

Bis zu diesem einen Tag:

Eines Nachmittages klingelt das Telefon und Eure Mutter – überraschend gerade in der Ukraine – teilt mir mit, daß wir das Haus nicht bekommen können, sie das bereits seit heute früh weiß und wir sind gemeinschaftlich glücklich auf Grund der Annahme, Massimo und Beatrice verstehen gewiss keine russischen Schimpfwörter.

Eine eifrige, italienische Provinzpersonalie hat per Dekret verordnet, die angemietete, bestätigte Villa öffentlichkeitswirksam lokalen Erdbebenopfern zur Verfügung zu stellen, da die beauftragten, örtlichen Bauunternehmen dummerweise nicht rechtzeitig mit der Häuser-Instandsetzung fertig werden. Zur Historie: Zu Beginn des Jahres gab es hier in der Gegend ein Erdbeben welches einige Häuser unbewohnbar gemacht hat. Das mache aber alles gar nichts, meint Beatrice, denn sie hätte ein prima Wellnesshotel im Nachbarort an der Angel, da könnte sie uns problemlos unterbringen und die eigentliche Party würde sie dann trotzdem in der Villa ausrichten, denn das ginge in dem Hotel nämlich als Platzgründen eben nicht. Die Bewohner werde sie dann für diesen Tag ausquartieren und alles sei doch gut.

Wohin sie die armen Leute an diesem Tag dann hinbugsieren möchte wird wohl ihr Geheimnis bleiben, genauso wie die Antwort auf unsere Nachfrage, wie das denn dann bitte mit den nicht wenigen, kleineren Kindern von uns und unseren Gästen abends funktionieren solle. Gefühlt fragendes Gesicht am italienischen Ende der Telefonleitung. Meinen Vorschlag doch einfach die Erdbebengeschädigten die ganze Zeit in besagtes Hotel zu platzieren scheitert an irgendeiner Regulative.

Ich lege an dieser Stelle gesteigerten Wert darauf, das es uns völlig fern liegt Menschen, die derzeit nicht gerade wenig zu meistern haben aus selbstsüchtigen Gründen ein zweites Mal das Dach über dem Kopf zu entreißen aber so ein ganz klein wenig fühle ich mich auch unseren Gästen mit gebuchten Flugtickets und überstandenem Visa-Wahnsinn verantwortlich. Wir nehmen es also sportlich und suchen sieben Wochen vor Termin irgendein Landhaus für 50 Leute nicht zu weit vom Flughafen Ancona entfernt mit einer Küche die dem Caterer genügt. Das ganze findet gewöhnlich dann abends in einer Art ukrainisch-italenisch-deutschen Konferenzschaltung aus Skype und Mail statt.

Zwischendurch haben wir beinahe ein geeignetes Objekt, stellen aber bei der Zimmerverteilung fest, irgendjemanden ausladen zu müssen oder über Etagenbetten nachzudenken, was uns beides nicht probat erscheint. Zwischenzeitlich halten mich wahrscheinlich ein Großteil unserer Gäste für komplett meschugge, da ich eine ganz simple Nachfrage schlicht nicht beantworten kann: “Du mußt uns noch die genaue Adresse gebe.” “Ja, würde ich gerne – habe ich nur leider selbst nicht.”

Hochzeitsparty, Apeccio, IT, April/ Mai 2017

Hochzeitsparty, Apeccio, IT, April/ Mai 2017

Irgendwann steht die ganze Sache, aus einem sind zwei Häuser und ein Hotel geworden und das Ereignis nimmt seinen Lauf. Dafür wartet die Location mit einer Anfahrt Irgenwo im Nirgendwo auf. Ihr Kinder fliegt mit Eurer Mutter, den Großeltern und ein paar Freunden und ich fahre mit meinen beiden ältesten Freunden/ Freundinnen ordentlich beladen mit zwei Autos gen Apeccio. Auf der Zwischenübernachtung kurz hinterm Brenner werden wir eingeschneit, eine Freundin Deiner Mutter nebst Ihrer Tochter verpasst in Mailand ihren Anschlussbus nach Ancona, was wiederum mich zu einer zweistündigen Irrfahrt in Florenz beordert, aber was soll uns jetzt noch aufhalten. Irgendwann sind alle da, die Armenier zwar am falschen Bahnhof des ursprünglichen Hauses, aber auch da schaffen Hamburger Freunde mit einer spontanen Ausflugsfahrt die nötige Abhilfe.

Ich glaube manchmal, wer mit uns befreundet ist, kalkuliert so ein kreatives Chaos fast mit ein. Nun nimmt eine wunderbar interkulturelle Woche Ihren Lauf. Es gibt mal israelisches Frühstück, schwäbisch-serbischen Kartoffelsalat zu Mittag und armenisches Schaschlik am Abend. Multikulti-Jünger wie ich sind glücklich. Punkt. So habe ich mir das vorgestellt.

Für den eigentlichen Partyabend haben wir extra eine deutschsprachige Kinderbetreuung organisiert damit Euch allen nicht zu langweilig wird und Roberto gibt sich auch wirklich alle Mühe, doch die versammelte Kinderschar möchte sich lieber selbst beschäftigen und der Mann ist nahezu arbeitslos. Die angedachte Nachtwanderung mit Stirnlampen scheitert an einem Gefühl, das ich von meiner Tochter selten kenne: Du hast Angst und wir brechen die Nummer ab. Und schwups hat Leo schon wieder jemanden ganz für sich alleine. Die beiden sind aber auf jeden Fall ein schön anzuschauendes Team.

Die Tage vergehen wie im Flug und obwohl wir noch zwei Tage Genua in unserem Lieblingshotel anhängen, sind wir wieder viel zu früh zu Hause.

Nun sind wir also endgültig verheiratet und haben dafür nur an einer Location, drei Religionen und zehn Nationen unter einem Dach gebraucht. Das sich die deutschen Botschaften in Tiflis und Moskau nicht einigen können, wer für Abchasien zuständig ist nehme ich ihnen aber dennoch persönlich krumm. Und zwar ganz undiplomatisch, meine Herren. Irgendwie fehlte eine Nation, allen Anwesenden danke ich aber von ganzem Herzen für ein wundervolle Woche voller Wahnsinn.

Geschrieben in San-Giovanni-di-Moriani, Corsica, France.